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17. Juli 2011
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Wenn der Tag des Umzugs näher rückt, wenn man verstaubte Koffer vom Speicher herunterholt, sich Kartons und Kisten besorgt und schließlich – weil es höchste Zeit ist – anfängt zusammenzupacken, da
kommen einem viele Gedanken, die man sonst nicht kennt.
Und wenn das Haus und die Wohnung, in denen man 25 Jahre gewohnt hat, allmählich ihr Ansehen verändern, dann verdichten sich solche Gedanken:
Man steht vor einem ausgeräumten Schrank.
Man öffnet leere Schubladen.
Wo vorher ein Bild oder eine Ikone hing, zeigt nun ein helles Rechteck, wie schmutzig die Wände geworden sind.
Man geht langsam durch die leeren Zimmer, lauscht auf das seltsame Echo, das die Schritte verursachen und spürt mit einem Mal, wie das Altvertraute fremd und unpersönlich geworden ist.
Und dann wird einem endgültig klar, dass diese Wohnung, in der man so lange gelebt und sich wohl gefühlt hat, gar nicht mehr die eigene Wohnung ist, dass sie nur geliehen war.
Ich erinnere mich an ein Wort eines pensionierten Lehrers, der mich vor 25 Jahren besuchte. Er war sehr angetan von dem Pfarrhaus und der Wohnung. Er zitierte ein Wort, das ich seither nie
vergessen habe:
„Dies Haus ist mein und doch nicht mein.
Ein andrer kommt – und wird wie ich – ein Wanderer sein.“
Wie wahr dieses Wort ist, geht mir dieser Tage mit Wehmut durch Kopf und Herz!
Nun gilt es aufzubrechen und sich auf den Weg zu machen in eine neue – wenn auch nicht ganz unbekannte – Zukunft. Doch dieser Aufbruch macht mir erneut klar, dass wir eigentlich immer unterwegs sind,
weil wir hier – wie Paulus sagt – keine bleibende Stätte haben. In dieser Welt sind wir „Fremdlinge und Pilger“ heißt es im 1. Petrusbrief.
Eine Wohnung, die einem so lange vertraut war, ist mit einem Mal leer und hinterlässt einen traurigen und unbehausten Eindruck. Sie zeigt unerbittlich und unausweichlich, dass wir in dieser Welt
nur ein fremder Gast sind und dass wir die „Zelte“ abbrechen müssen, bis der letzte und größte Aufbruch bevorsteht: Der Aufbruch in die Ewigkeit!
Am Turm einer Klosterkirche habe ich die Inschrift einer Sonnenuhr gelesen. In verwaschenen und ausgebleichten Großbuchstaben war zu lesen:
„Siste viator ac considera: una ex his erit novissima tua.
– Bleib stehen, Wanderer, bedenke: eine von diesen Stunden wird deine letzte sein!“
Das ist es, was ich Ihnen zum Abschied sagen möchte: Leben Sie nicht gottvergessen in den Tag! Bleiben Sie im Gebet, im Gottesdienst und im Alltag mit Gott verbunden!
Vergessen Sie niemals, was wir so oft beim Abschiedsgottesdienst von Gemeindemitgliedern gesungen und gebetet haben:
„Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh, mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.“
Ich danke Ihnen, auch im Namen unserer Gemeindereferentin Gudrun Maurer, für alle Ihre Hilfe, Ihr Verständnis, Ihre Nachsicht und Ihr Entgegenkommen. Danke für die vielen mündlichen und schriftlichen
Glückwünsche zum Neubeginn in Bernkastel-Kues und für die Spenden für die Leprahilfe.
Ich grüße Sie mit den Worten der Liturgie: „Die Gnade Gottes, die Liebe Christ und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!“
Zum letzten Mal: Mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus Ihr Pastor Leo Hofmann
19. Juni 2011
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Die Stunde des Abschieds rückt immer näher. – Nach 25 Dienstjahren in der Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt Marpingen und nach 11 Jahren, in denen ich als leitender Pfarrer auch der
Pfarrgemeinde St. Mauritius Alsweiler vorstand, werde ich aus Altersgründen die Pfarreiengemeinschaft verlassen. -
Mit mir wird auch unsere Gemeindereferentin, Frau Gudrun Maurer, ihre Dienstzeit in der Pfarreiengemeinschaft nach 25 Jahren beenden und befindet sich ab 01. Aug. 2011 in der
Freistellungsphase der Altersteilzeit.
Ein viertel Jahrhundert ist für ein Menschenleben eine lange Zeit. Wir sprechen von einer Menschengeneration.
Und doch! Im Rückblick schrumpft diese Periode wie im Zeitraffer auf eine kurze Zeit, würden da nicht Erinnerungen wach, die uns schöne, kostbare und bedeutende Ereignisse aus dieser Zeit
ins Gedächtnis rufen.
Es ist unmöglich, das alles an dieser Stelle noch einmal zur Sprache zu bringen.
Was mich im Rückblick auf diese gemeinsam erlebte Zeit bewegt, ist: Tiefe Dankbarkeit!
Dank gegenüber Gott,
- der mich die Wege hierher geführt und durch all die Jahre begleitet hat,
- für seinen Beistand, seine Kraft und Gnade,
- für seine erbarmende Liebe bei aller menschlichen Unzulänglichkeit und Schwäche
- aber auch für manches Gute, das ich mit seiner Hilfe vollbringen durfte.
Mein Dank gilt aber auch den Menschen, denen ich in all den Jahren begegnen durfte:
- besonders denjenigen, die mir im Seelsorgsalltag Hilfe und Unterstützung geleistet haben, ohne die vieles einfach nicht möglich gewesen wäre.
- Ich denke an die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
- aber ebenso auch an alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, sei es in den kirchlichen Gremien, Vereinen, Gemeinschaften und Verbänden
- oder die sich einfach aus der freien Verantwortung für die Sache Christi in dieser Welt engagiert haben.
Allen danke ich aus tiefstem Herzen für ihren selbstlosen Dienst, der mich mitgetragen, nicht selten auch beflügelt hat.
Allerdings haben mich in den letzten Jahren auch zunehmend Sorgen erfüllt.
Vor dem Schwund kirchlich-gemeindlichen Lebens kann man die Augen nicht verschließen:
- Der rapide zurückgehende Gottesdienstbesuch,
- die Gleichgültigkeit gegenüber dem Empfang der Sakramente
- der zunehmende Schwund des Glaubenswissens und demzufolge auch die
- Verdunstung des Glaubens, die immer mehr um sich greift
- Ich begegne Gemeindemitgliedern, die vor Jahren regelmäßig „praktiziert“ haben.
- Mit einem Mal nach 30, 40 Jahren und mehr aktivem Christ sein, geben sie ihre kirchlich-gemeindliche Praxis auf.
- Das beunruhigt mich, das macht mir Sorgen: Wie wird es bei einer zunehmenden Erweiterung der „Seelsorgsräume“ möglich sein, diese Entwicklung aufzufangen?
Die Gefahr der „Anonymisierung“ ist auch eine Gefahr für den Glaubensbestand!
Liebe Pfarrangehörigen, vielleicht finden Sie es unpassend, in einem „Abschiedsbrief“ solche Gedanken zu äußern. Gerade weil ich diese Gemeinden liebe, in denen ich so lange Pastor sein durfte,
darum muss ich dieser meiner inneren Sorge und Unruhe auch Ausdruck verleihen dürfen.
Eines darf ich Ihnen allen versichern: Ich werde bis zu meinem Lebensende mit beiden Gemeinden verbunden bleiben. In der täglichen Fürbitte werden Sie einen festen Platz haben.
So grüße ich Sie alle – auch im Namen unserer Gemeindereferentin Gudrun Maurer – von Haus zu Haus und rufe Ihnen zu – wie ich es so oft im Gottesdienst getan habe:
„Der Herr sei mit euch!“ Ihr Pastor Leo Hofmann
29. Mai 2011
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Vierzig Tage nach Ostern feiert die Kirche das Fest Christi Himmelfahrt. Gefeiert wird da nicht ein von Ostern zeitlich getrenntes Ereignis, sondern eine besondere Dimension oder ein
anderer Blickwinkel des Osterereignisses.
Das Lukasevangelium schließt zwar mit einer Erzählung von der Aufnahme und Erhebung des auferstandenen Christus in den Himmel vor den Augen der Jünger (LK 24, 50 – 53), und die
Apostelgeschichte beginnt mit einer solchen Erzählung (Apg 1, 9 – 11) und spricht davon, dass der Herr den Aposteln „nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt hat, dass er lebt“ und dass er ihnen „vierzig Tage hindurch erschienen ist“ (Apg 1, 3).
Christus erscheint nach Ostern den auserwählten Zeugen (Apg 10, 41) schon immer vom Himmel her. –Mit der Auferstehung ist Christus schon im Himmel.
Das Ende er Erscheinungen des Auferstandenen vor den Jüngern und anderen Zeugen ist kein Abschied Christi von der Erde und von der Kirche. Er ist weiterhin „im Himmel und auf Erden.“.
„Himmel“ ist aus der Sicht des Glaubens kein Begriff der Geographie oder der Topographie, sondern drückt eine Beziehung aus. Himmel ist die vollendete und vollkommene Beziehung des
Menschen zu Gott.
Darum hat der Kirchenvater Augustinus über das verheißene ewige Leben gesagt: „Gott selbst wird unser Ort sein.“
Himmelfahrt bedeutet, dass der Menschgewordene ewige Sohn Gottes seine menschliche Natur erhoben hat in die ewige Beziehung liebender Selbstübergabe an den Vater.
Damit hat er einen „Raum“ geschaffen, der allen Menschen offen steht, die glaubend, hoffend und liebend zu ihm gehören. So hat er uns das „Reich des Himmels“ aufgetan.
In den Abschiedsreden des Johannesevangeliums hat Jesus den Jüngern den Himmel verheißen mit den Worten: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Ich gehe, um einen Platz für
euch vorzubereiten.“ (Joh 14, 2).
Mit der Auferstehung Jesu und in seiner Himmelfahrt, die als ein Gesichtspunkt, ein Aspekt an dieser Auferstehung zu verstehen ist, beginnt der Heimweg der Schöpfung, die sich von Gott
entfernt hatte, zu Gott. Das Ziel – auch unser Ziel – wird erreicht, wenn Gott alles in allem sein wird.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams einen frohen Festtag, der unsere Zukunft und Hoffnung erahnen lässt.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
22. Mai 2011
Zum 5. Sonntag, der Osterzeit, 22. Mai 2011
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Ein Mädchen hat mich vor einiger Zeit gefragt: „Warum trägt die Schutzmantelmadonna ein goldenes Kleid? Die Mutter Gottes war doch arm?“
Diese Frage ist durchaus verständlich und berechtigt. Unter den 48 Lobpreisungen der Mutter Gottes in der „Lauretanischen Litanei“ wird Maria auch als „Goldenes Haus“ angesprochen.
Was bedeutet das?
Gold ist eines der schönsten und kostbarsten aller Edelmetalle: Silber, Kupfer, Messing und Stahl mögen noch so glänzen, aber das Gold übertrifft sie an Reichtum, Glanz und Ausstrahlungskraft.
Wir haben selten Gelegenheit, eine größere Menge Gold auf einmal zu sehen. Bestenfalls in Sonderausstellungen wie: „Das Gold der Inkas“ oder „Die Kelten“. Der Anblick des Goldes gerade im
kostbaren Schmuck ist großartig und majestätisch.
Die alten Ägypter nannten das Gold „Das Fleisch der Götter“ wegen seines Glanzes, seiner Schönheit und seiner Unvergänglichkeit.
Darum wird „die Stadt Gottes“ in der hl. Schrift auch „golden“ genannt. In der Geheimen Offenbarung des Johannes heißt es:
„Die Heilige Stadt war von reinem Gold wie durchsichtiges Kristall.“
Indem die Hl. Schrift die „Heilige Stadt“ mit dem schönsten und kostbarsten Gold vergleicht, will sie uns eine Idee von ihrer wunderbaren Schönheit und Erhabenheit geben.
Aber was hat das alles mit Maria zu tun? Warum wird sie als „Goldenes Haus“ angesprochen und gepriesen?
Maria ist durch die Menschwerdung Jesu, zur Heimstatt und Wohnung des Sohnes Gottes geworden. Der wesensgleiche Sohn des Vaters ist in ihr Mensch geworden und hat in ihr gewohnt.
Er war ihr Gast und mehr als ihr Gast. Der Gast kommt und geht – Jesus, der Sohn Gottes, wurde wahrhaftig in diesem „Heiligen Haus“ in diesem „Goldenen Haus“ geboren.
Er nahm in diesem Goldenen Haus Fleisch und Blut an von dem Fleisch und Blut seiner Mutter Maria. Maria war Gold in ihrer Empfängnis, Gold in ihrer Geburt, und in ihrem Leid ist sie wie
Gold durch den Feuerofen gegangen.
Als Maria in den Himmel aufgenommen wurde, erfüllte sich der Hymnus, der von Maria sagt:
„Erhoben über alle Engel in ihrer Glorie und Herrlichkeit, gesetzt an die Seite des Königs und umkleidet mit einem Goldgewand.“
Maria, die Maienkönigin, ist unsere Fürsprecherin und Helferin, damit auch wir am Ende unserer Tage im „Goldenen Haus“ Heimat und Wohnung finden bei ihr und ihrem Sohn Jesus Christus. Denn
die Verehrung Mariens hat den Sinn, dass sie uns zu ihrem Sohn Jesus Christus führt.
Ich wünsche Ihnen alle im Namen des Seelsorgeteams eine schöne Maienwoche und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
15. Mai 2011
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Schon seit vielen Jahren ist es üblich, dass wir uns nicht mehr „einen schönen Sonntag“ wünschen, sondern ab Freitag heißt es schon: „Schönes Wochenende!“
Mit diesem Gruß verabschieden sich Menschen in Büros und Dienststellen oder auch ganz allgemein im Alltag.
Nichts gegen diesen gut gemeinten Gruß und Wunsch! – Aber er macht doch deutlich, dass der Sonntag im allgemeinen Bewusstsein nur noch eine sehr begrenzt herausgehobene Stellung hat.
Der Sonntag wurde unter dem Einfluss des Christentums durch Kaiser Konstantin im Jahre 324 zum Gedenken an die Auferstehung Christi als „Tag der Ruhe“ gesetzlich verbindlich eingeführt.
Doch anscheinend wird ein Tag der Ruhe in unserer mobilen Gesellschaft kaum noch von den Menschen ertragen.
Es muss „etwas los“ sein, sonst kommt Langeweile und Frust auf:
Es werden alle möglichen und unmöglichen „Feste“ veranstaltet,
Aktionen durchgeführt,
Angebote gemacht
„Verkaufsoffene Sonntage“ als besondere „Anreize“ durchgeführt.
Auch Reiseunternehmen haben daraus Konsequenzen gezogen:
Sie setzen Animateure ein, die Programme machen und die Urlauber unterhalten oder beschäftigen.
Steckt dahinter nicht letztlich Flucht vor der Ruhe, vor dem eigenständigen Gestalten der „Freizeit“?
So wundert es nicht, dass auch an vielen Gottesdiensten kritisiert wird, es „sei nichts los“.
Was soll eigentlich „los“ sein
am Altar
am Ambo
im gottesdienstlichen Raum der Kirche?
Äußert sich nicht auch darin die Angst vor Ruhe – Stille und Besinnung?
Der Sonntag ist für viele noch frei von beruflicher Tätigkeit und Verpflichtungen. Doch was würde aus dieser freien Zeit, wenn einmal
- Fußball, Tennis oder andere sportliche Veranstaltungen ausfielen
- oder wenn das Fernsehen ausfiele?
Kaum auszudenken! Bei vielen, die es verlernt haben, sich selbst zu beschäftigen, kämen Langeweile, Einsamkeit, Frust und Leere auf. Es wäre zum Sterben eintönig und langweilig!
Oder gibt es noch Hoffnung auf Gelassenheit, mit der Zeiten der Ruhe, der körperlichen und geistigen Erholung wirklich erlebt werden können?
Ist nicht der Sonntag auch Grund, Gott zu danken in der Feier der Danksagung – der Eucharistie?
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen und frohen Sonntag!
Im Namen des Seelsorgeteams alles Liebe und Gute.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
01. Mai 2011
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Der große und bedeutende Kirchenlehrer Augustinus (354 – 430) wird meistens mit dem Symbol eines brennenden Herzens dargestellt. Seine Theologie ist in der Tat eine „Theologie des
Herzens“. In seinen „Bekenntnissen“ schreibt er: „Du, o Herr, hast uns auf dich hin geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“
Vom „brennenden Herzen“ spricht auch eine der Osterzählungen des Neuen Testamentes. Der Evangelist Lukas hat uns die Geschichte von den beiden „Emmausjüngern“ überliefert: Lk 24, 13 – 35.
Als sie den inkognito mit ihnen wandernden Jesus beim „Brotbrechen“ erkennen, der sich ihnen im selben Augenblick entzieht, da sagen sie zurückblickend auf den Weg mit ihm: „Brannte
uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Lk 24, 32)
Die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn trifft die Mitte und Tiefe der Person. – Die Bibel nennt diese Mitte „das Herz“.
Der hl. Augustinus sagt an anderer Stelle: „Du kannst nur in anderen entzünden, was in deinem eigenen Herzen brennt.“
Wie sieht es da in uns aus? Ist noch etwas von der Glut des Herzens zu spüren oder ist unser österlicher Glaube im Herzen erkaltet?
In einem Hymnus zum Heiligen Geist heißt es: „Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt!“
Ich hoffe, dass die Feier des Osterfestes in uns allen das „Herz brennen“ lässt und unseren österlichen Glauben neu entfacht.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Osterzeit und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
Ostern, 24. April 2011
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Ostern ist das Bekenntnis zum Leben. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Ewiges Leben – wie soll man sich das vorstellen?
Manche fragen sich: „Sind wir nur einmal auf der Erde? Warum nicht mehrmals?“ – Vielleicht kommen wir von neuem in anderen Lebewesen, in anderen Menschen zur Welt. Vielleicht werden wir von
neuem geboren im ewigen Kreislauf des Lebens. Diese Fragen treiben heute viele um.
„Reinkarnation“ – ist das nicht auch eine Art „ewiges Leben“?
Die Vorstellung vom Menschen in der so genannten Reinkarnationslehre ist sonderbar. Da geht man von einem Leben ins andere wie in ein anderes Zimmer. Die Tapeten werden gewechselt. Was ist
mit dem „Zimmer“, das ich verlasse? Steht es dann leer? Was ist mit dem Leib?
Ist er nur „Übungsgelände“? Wird er zurückgelassen wie eine ausgebrannte Rakete? Ist er gleichgültig? Zählt er nicht mehr mit? Geht es nur darum, ihn endlich loszuwerden, um von ihm
„befreit“ und „erlöst“ als reiner Geist zu existieren?
Die Unterbewertung und Skepsis gegenüber allem Leiblichen, gegenüber allem „Materiellen“ sitzt der Reinkarnationslehre tief in den Knochen! – Das Christentum ist nicht selten anfällig
gewesen für solche Vorstellungen.
Aber diese Vorstellungen sind dem christlichen Glauben von seinem Ursprung her völlig fremd. Es ist ein großer Unterschied, ob ich nur einen „Leib habe“, den ich gegen einen anderen
beliebig oft auswechseln kann oder ob ich „Leib bin“.
Der Mensch ist wesentlich Leib. Das Heil ist nicht nur in der Seele zu suchen, die sich schließlich „aus dem Staub“ macht.
Der Staub der Erde, der menschliche Leib ist mit in die „Voll-endung“ einbezogen. „Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches“ – deutlicher kann man es nicht sagen.
Darum spielt der Leib in der Begegnung Jesu mit den Osterzeugen (Maria aus Magdala – die Jünger – Thomas – Emmausjünger u. a.) eine große Rolle. Jesus hat seine „leibhaftige“
Lebensgeschichte nicht abgestreift. Den Apostel Thomas fordert er auf: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern
gläubig!“
Jesu ganze Lebensgeschichte mit „Leibe und Seele“ gehört zu ihm, gehört zu seiner Identität. Sie ist in die Auferstehung einbezogen. Und wir haben durch die Taufe daran Teil. Darum feiern
wir Ostern.
17. April 11
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Der Palmsonntag steht unmittelbar bevor. Es folgen die Gedenktage des Leidens und Sterbens Jesu Christi:
Die Leidenszeit mit dem „Einzug Jesu in Jerusalem“ an ihrem ersten Tag,
die Passionslesungen an den folgenden Tagen,
die Erinnerung an das „Letzte Abendmahl“,
die Stationen des Leidens Jesu bis hin zu Kreuz und Grab,
schließlich „Osternacht“ und Ostermorgen.
Diese Tage erwarten nach alter Tradition: schauende, hörende, stille Menschen! –
Man schaute und staunte an jenem Palmsonntag in Jerusalem. Man fragte: „Wer ist dieser?“ – Aus der Menge der Umstehenden kam die Antwort: „Das ist der
Prophet aus Nazareth.“ (Mt 21, 10 – 11)
Wenn die Fragenden besser hingeschaut hätten auf seine Wunder, seine Art mit den Menschen umzugehen, wenn sie besser zugehört hätten, dann hätten sie mit eigenen Augen sehen und erkennen
können, was schon der Prophet Sacharja vorausgesagt hatte:
„Sieh, dein König kommt zu dir, sanftmütig auf einem Esel reitend.“ (Sach 9, 9).
Schon damals haben viele Leute gar nicht so richtig mitbekommen, was vor der Stadt und unter den Toren Jerusalems beim Einzug Jesu geschehen war.
So auch heute. Einer sagt: „Karwoche? Ostern? Das steht bei mir nur auf dem Kalender! Ostern und Osterhasen – das ist etwas für die Kinder. Als Erwachsener kann ich nur sagen: „Die Sache
– Jesus von Nazareth – endgültig zu den Akten!“
Ein Mensch mit solch einer Einstellung wird sich nicht auf den Weg machen, weil er
nicht hingeschaut,
nicht hingehört hat.
Die Begegnung mit Jesus findet nicht statt! Auf einen Menschen ohne Ostern treffen die Worte des Psalmisten zu:
Sie haben Augen und sehen nicht. Sie haben Ohren, aber hören nicht.“
Auch damals wussten viele nicht, wie die „Sache mit Jesus“ enden würde. Die Leute waren voller Erwartung, viele waren auch enttäuscht. So wurde aus dem „Hosanna“ des Palmsonntags das
„Kreuzige ihn“ am Karfreitag.
Die begeisterten Rufer waren nur kurz in der Gefolgschaft Jesu. An Palmsonntag waren sie:
Zuschauer von Ferne
Mitläufer
Zaungäste auf dem Leidensweg Jesu, bis die Stimmung umschlug in erbitterte Feindschaft.
Liebe Gemeindemitglieder, ich bin immer wieder erstaunt und tief betroffen, wie Menschen lange Zeit ihres Lebens bei Jesus und in seiner Kirche bleiben, wie sie sich dann aber plötzlich
trennen. Manche ohne Rückkehr. Sie gehen fort,
„um endlich ihr Leben zu leben“
„um Kirchensteuer zu sparen“
„um der Bevormundung der Kirche zu entgehen“
um sich von einer Kirche, die Schuld auf sich geladen hat, loszusagen. Oder aus anderen – wie auch immer gearteten – Gründen.
Ich frage mich oft: War die Lebenszeit dieser Menschen, die bis dahin in Gemeinschaft mit Christus und seiner Kirche gelebt haben: vergebliche, vertane, verlorene, verblendete – kurz –
sinnlose Zeit!?
Der Palmsonntag ruft uns in die Entscheidung: „Für wen oder was gehe und lebe und „stehe“ ich?
Jesus Christus lädt uns trotz allem ein, ihm zu folgen, damit wir teilhaben dürfen an seinem österlichen Sieg.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine gesegnete Karwoche und lade Sie auf dem Höhepunkt des Kirchenjahres ganz herzlich zu den Gottesdiensten ein.
Mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
03. April 11
Liebe Pfarrangehörigen der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Gelegentlich haben mir Leute, denen ich auf dem Friedhof begegnet bin, mit einem melancholischen Unterton gesagt: „Es ist noch keiner von den Toten zurückgekommen.“ Wirklich keiner?!
Doch! Es gehört zur Grundüberzeugung der Christen von Anfang an:
Einer, der wirklich tot war, ist nicht im Tod geblieben: Jesus von Nazareth.
Er ist zwar nicht aus dem Grab in sein früheres irdisches Leben zurückgekehrt, um dann kurze Zeit später endgültig zu sterben.
Nein, er ist in eine neue Lebensweise eingetreten, die Gott schenkt und die nie endet.
Die Jünger bezeugen von Anfang an: Gott hat Jesus von den Toten auferweckt, dafür sind wir Zeugen.
Dieser Jesus hat vor seinem Tod zu seinem himmlischen Vater gebetet: „Ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin.“
Wer sich also an ihn hält, hat wie er Zukunft über den Tod hinaus. Er wird in alle Ewigkeit nicht sterben, sondern in das neue Leben bei Gott eingehen.
Im Johannes-Evangelium sagt Jesus zu Martha, der Schwester des verstorbenen Bruders Lazarus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er
gestorben ist. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“
Der Tod ist also nicht „end-gültig“, sondern „vor-läufig“. Er ist nicht Ende, sondern „Durch-gang“! Deshalb sprechen Christen vom Tod in Bildern der Hoffnung und Zuversicht:
Sie sprechen vom „Ewigen Leben“
von Frieden ohne Angst und Qual,
von Licht und Ruhe,
von einer Wohnung bei Gott.
Über das „Wie“ sagt die Bibel wenig. Paulus sagt lediglich: „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet,
die ihn lieben.“
Die Texte der Bibel und der Totenliturgie sprechen oft von „Umwandlung“ und „Neugestaltung“ unseres Lebens nach dem Tod.
Ein naturhaftes Bild kann die Ungeheuerlichkeit dieser Umwandlung veranschaulichen: Die „hässliche“ Raupe, die am Boden kriecht und Kohlblätter oder Sonstiges frisst, wird nach ihrer
„Verpuppung“ eines Tages unter dem Licht der Sonne zum Schmetterling, der sich in strahlender Schönheit in die Lüfte schwingt.
Würden wir die Zusammenhänge nicht kennen, könnten wir nicht glauben, dass Raupe und Schmetterling das gleiche Wesen sind.
Noch unendlich gewaltiger ist die Veränderung unseres Wesens, wenn Gott uns an seinem göttlichen, ewigen Leben teilhaben lässt.
Liebe Mitchristen, ich wünsche Ihnen allen, dass Sie auf dem österlichen Weg aus dieser Hoffnung leben und Kraft und Mut schöpfen.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine gesegnete und Gott verbundene Woche.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
27. März 11
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Menschen brauchen Zeichen und Riten. Sie schmücken sich bei Festen und Feiern. Sie kennen Rituale und Zeremonien, sie schenken sich Blumen und tauschen Ringe.
Solche Zeichen machen sichtbar, was man rein äußerlich betrachtet nicht sehen kann: Liebe, Zuneigung, Zärtlichkeit, Respekt, Anerkennung, Treue und Verlässlichkeit.
So kann man die Sakramente auch bildhaft als „die sichtbaren Hände Gottes“ bezeichnen:
Hände, die uns heilen, trösten und führen.
Hände, die man sehen, spüren und fühlen kann.
Die Sakramente zeigen, symbolisieren und zeichnen nach, was Gott an und für die Menschen tut.
Gleichzeitig bewirken die Sakramente, was sie darstellen:
Wenn z. B. beim Abendmahl der Priester die Worte Jesu spricht: „Das ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird“, dann wird Jesus Christus gegenwärtig.
Wenn im Bußsakrament der Priester im Auftrag Jesu und seiner Kirche spricht: „Deine Sünden sind Dir vergeben“, dann sind sie wirklich vergeben.
Die Sakramente sind die feste Zusage Gottes, dass er hier und jetzt durch diese Zeichen und die „Deute-Worte“, die dabei gesprochen werden, handelt und wirkt.
Um der Menschen Willen hat Jesus seiner Kirche die Sakramente gegeben als verlässliche Haltepunkte und als sichtbare Orientierungszeichen an zentralen Punkten menschlichen Lebens:
Die Taufe steht am Anfang des Lebens. Sie bezieht uns ein in die Liebe des dreifaltigen Gottes.
Die Firmung will den meist jungen Menschen bei der Orientierung und der Suche nach Lebenszielen helfen.
Das Bußsakrament spricht den schuldig gewordenen Menschen frei und versöhnt ihn mit Gott und den Mitmenschen.
Die Eucharistie vertieft die Gemeinschaft mit Gott und hilft ihm zu erkennen, wovon und woraus er lebt.
Die Krankensalbung spricht dem kranken Menschen Mut, Kraft und Gottes Vergebung zu.
Das Sakrament der Ehe will die Partner stärken, dass sie „in guten und bösen Tagen“ fest zueinander stehen.
Die Priesterweihe befähigt den geweihten Priester im Namen Jesu zu sprechen und zu handeln und Christus selbst zu „repräsentieren“.
Die Sakramente sind Zeichen, die Gottes Liebe und Zuneigung zu uns Menschen darstellen und in unserem Leben wirksam werden lassen.
Ich glaube, es ist dringend nötig, dass wir diesen „Heilszeichen“ Gottes wieder größeren Raum und eine tiefere Bedeutung in unserem Leben beimessen. In ihnen will Gott unser Heil wirken.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen Gottes Segen auf dem österlichen Weg und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
20. März 11
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Es gibt keine menschliche Beziehung ohne Gespräch. Es gibt keine Beziehung zu Gott ohne Gespräch. Das Gespräch mit Gott nennen wir Christen Gebet.
Es scheint das Selbstverständlichste: Miteinander sprechen ist das Normale. Es ist kaum zu ertragen, wenn Menschen, die miteinander leben, sich nichts mehr zu sagen haben. Das ist der Tod
jeder Beziehung.
Andererseits müssen Menschen, die sich gern haben, die sich lieben, nicht dauernd miteinander sprechen. Das weiß jeder! Liebende können einander auch ohne Worte „verstehen“. Es genügt oft
ein Lächeln, ein „Augen-blick“ oder wenn man sich nahe weiß.
Aber die Erfahrung zeigt auch: Gefühle, Empfindungen wollen auch in Worten ihren Ausdruck finden.
Wichtiger noch als Worte ist das Interesse aneinander. – Das gilt auch für die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Worte sind nicht das Entscheidende. Manche sagen: „Ich kann nicht beten.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“
Jesus warnt vor denen, die viele Worte machen, aber ihr Herz nicht wirklich für Gott öffnen. Deshalb kann auch der sich mit Gott verbunden fühlen, der keine Worte findet und nicht weiß, was
er sagen soll. Er kann ganz einfach „seine Seele in die Sonne Gottes halten“ – auch das ist Gebet.
Das Beten wird oft bezeichnet als: „Sprechen mit Gott“. Die große spanische Karmelitin und Mystikerin Teresa von Avila hat es einmal so formuliert: „Beten heißt: Mit Gott sprechen wie mit einem guten Freund.“
Manche Christen verstehen das so, als müssten sie viel reden und sind verunsichert, wenn Gott nicht „antwortet“. In Wirklichkeit aber eröffnet Gott das Gespräch. Er ergreift die
„Initiative“. Gott hat das erste Wort. Antworten ist dann leichter.
Gott spricht zu uns Menschen nicht nur mit den Worten der Bibel, sondern in allem, was uns begegnet: In den Ereignissen und Geschehnissen des Alltags, in den Menschen, mit den wir
zusammentreffen, in den Nachrichten und Berichten, die uns durch die Medien mitgeteilt werden, sowohl Erfreuliches als auch Schreckliches!
Alles das kann eine „An-Frage“, eine „An-Rede“ und ein „An-Spruch“ Gottes sein, auf die ich antworten und reagieren kann.
Der Glaube an Gott macht den Menschen bereit, in allem mehr zu hören und mehr zu sehen, als es auf den ersten Blick scheint. -
Der betende Mensch lässt das Leben um ihn herum: Menschen und Ereignisse, Dinge und Gedanken in sich einsinken. Er schaut tiefer: So kann die Welt und das Leben auf Gott hin durchsichtig
werden.
Darum ist es für das gute Gelingen des Gebetes ganz wichtig und entscheidend, wenn am Anfang des Gebetes Stille und Schweigen stehen.
In der Stille wird das Hören leichter. So werden die „Inhalte“ von Gott durch unsere Erlebnisse vorgegeben. Darum geht der „Stoff“ des Gebetes nie aus!
Immer wieder bietet sich Anlass vor allem für Dank und Lob und für das Bitten.
Im Gebet geht es nicht vorrangig darum, dass Gott an unsere menschliche Not erinnert werden müsste. Gott weiß, was wir brauchen. Vielmehr ist es wichtig, dass der Mensch sich daran
erinnert, dass er Gott dankt und ehr für all das, was er uns tut. Das Bittgebet liegt uns Menschen zwar näher, aber Gott angemessener ist unser Lobpreis.
Liebe Mitchristen, ich lade Sie alle ganz herzlich ein, dass wir auf unserem österlichen Weg dem Gebet wieder größeren Raum geben. Die schlimmen Ereignisse dieser Tage im Weltgeschehen
sollten uns eigentlich Mahnung sein, dass wir nicht „Gott-vergessen“ in den Tag hinein leben.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine gesegnete Woche und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
13. März 11
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Im Leben der Natur hat der Mensch seit alters her sein eigenes Lebensgesetz erkannt. Wie die Natur aufblüht und auch wieder stirbt, so ergeht es auch dem Menschen: - Indem er das „ Stirb
und Werde“ der Natur feiert, bejaht er sein eigenes Schicksal und söhnt sich damit aus.
An den Wurzeln mancher christlicher Feste steht noch ein altes heidnisches Naturfest. Manch einer meint, das sei ein heidnisches Relikt, das überwunden werden müsse.
Aber die Verbundenheit des Kirchenjahres mit dem Rhythmus der Natur ist für uns Menschen heilsam. –
Wir sehen in dem Geschehen rund um uns herum ein Symbol dafür, was in uns selbst abläuft: Wenn wir nun in den 40 Tagen der österlichen Bußzeit auf die Feier des Osterfestes zugehen, dann
bekräftigt gerade das Aufblühen der Natur das in der Auferstehung Christi aufgebrochene neue Leben.
Wir dürfen uns nicht als so genannte Geistwesen über alles Natürliche erhaben dünken. – Wir sind als Menschenwesen eingebettet in die Natur.
Wenn wir dazu „ja“ sagen und mit ihr leben, dann ist das gut für uns. –Gerade in
der heutigen Zeit, in der die Natur immer mehr ausgebeutet und zerstört wird, kann uns das „Mit-leben mit dem Rhythmus der Natur, zu dem uns die Kirche in diesen Wochen einlädt, auch zu einer neuen Verantwortung für sie führen.
Es tut unserer „Seele“ – Herz, Gemüt, Sinn und Verstand – gut, wenn wir uns in den Rhythmus der Natur einschwingen lassen. Naturgemäß leben heißt auch: dem Wesen unserer Seele gemäß
leben.
Wir Menschen sind abhängig von dem Geschehen um uns herum: von den Tages- und Jahreszeiten, von dem Auf und Ab im Leben der Natur.
In der Liturgie des Kirchenjahres werden die Bilder der Natur aufgegriffen, damit sie ihre heilende Wirkung in uns entfalten können. Das Leben in der Natur soll uns helfen, die eigene
körperliche und geistige Lebendigkeit neu zu entdecken und neu zu entfalten.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen gesegnete Tage auf dem österlichen Weg und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
06. März 11
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Kennen Sie die erste Frage, die Gott in der Bibel stellt? Sie lautet: „Adam, wo bist du?“ Der Mensch versteckt sich vor Gott, und Gott ruft in mit dieser Frage: „Adam, wo bist du?“
Aber wir haben angesichts der Irrungen und Wirrungen unserer Zeit eine Gegenfrage an Gott: „Gott, wo bist du?“ Versteckt sich Gott auch vor uns? – So sagt der Prophet Jesaia: „Du bist ein Gott, der sich verbirgt.“
(Jes 45, 15).
Offenbar will Gott, dass wir ihn suchen, dass wir fragen: „Gott, wo bist du?“
„Rabbi Barucks Enkel, der Knabe Jechiel, spielte einmal mit anderen Jungen Verstecken. Er fand ein geeignetes Versteck. Doch als er lange wartete, bis die Spielgefährten ihn fanden,
kam er enttäuscht aus seinem Versteck. Aber die Spielkameraden waren nirgends zu sehen. Jetzt merkte Jechiel, dass die Kameraden von Anfang an ihn nicht gesucht hatten.
Weinend kam er zu seinem Großvater gelaufen und beklagte sich über die schäbigen Spielkameraden.
Da flossen auch Rabbi Baruch die Augen über und er sagte: „So spricht Gott: Ich verberge mich, aber keiner will mich suchen.“
Ich denke: Für jeden Menschen ist dieses Sich verbergen Gottes anders. Darum muss jeder von uns sich immer wieder neu aufmachen und suchen, wo Gott sich in seinem Leben verbirgt.
Oft sucht Gott sich in unserem Leben sonderbare und rätselhafte Verstecke aus – da, wo wir ihn eigentlich nicht vermuten würden:
eine Krankheit
ein Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit
eine zerbrochene menschliche Beziehung
die schmerzliche Erfahrung unserer Grenzen
der graue Alltag
eine Begegnung
eine erfüllte Sehnsucht und vieles mehr.
Gott versteckt sich, und wir sind eingeladen ihn zu suchen. Wo er sich versteckt, da ist er nahe! Wenn ich anfange, ihn zu suchen, dann gibt er mir Zeichen und Hinweise, ihn zu finden.
Was für ein Abenteuer, das Versteck Gottes in unserem Leben immer wieder aufzuspüren!
Ich wünsche ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine gute Woche und die richtige „Wünschelrute“, das Versteck Gottes in Ihrem Leben zu entdecken.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
27. Februar 11
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Das zweite Buch Mose – auch „Buch Exodus“ genannt – beschreibt den Weg des Auszuges des Volkes Israel aus der Knechtschaft Ägyptens in das Land der Verheißung.
Im 15. Kapitel des Buches steht das bemerkenswerte Wort: „Ich, Jahwe, will dein Arzt sein!“
„Jahwe“ ist der Gottesname, mit dem sich Gott dem Mose am brennenden Dornbusch in der Steppe, nahe dem Gottesberg Horeb offenbarte.
„Jahwe“ heißt: „Ich der: Ich bin für euch da“!
„Ich, Jahwe, will dein Arzt sein!“
Ein Arzt ist zum Heilen da. Und nun sagt Gott: „Ich will dein Arzt sein!“ Jahwe ist der Heilende. Es ist gut, dieses Wort in sich aufzunehmen. Es ist ein gütiges, ein tröstendes, ein
hilfreiches Wort.
Ich will dieses Wort aufmerksam hören auf mein persönliches Leben hin, das nicht heil ist …
Ich will das Wort hören auf unsere Welt hin, die nicht heil ist …
Ich will das Wort hören auf die Kirche – das Volk Gottes – hin, das nicht heil ist …
„Ich, Jahwe, will dein Arzt sein!“ Jesus hat dieses Wort gekannt. Vielleicht hat er daran gedacht, als er sagt:
„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ (Mt 9, 12)
Es gibt ein kleines Bild des niederländischen Malers Rembrandt (1606 – 1969), das so genannte „Hundertguldenblatt“. Da steht in der Mitte, gütig und groß Jesus als Arzt. Aller Jammer der
Welt wird in den Kranken zu ihm gebracht.
Am vergangenen Jahresende hat ein Reporter in einer Fußgängerzone die Menschen gefragt: „Wenn sie drei Wünsche frei hätten, die in Erfüllung gehen könnten – welche würden Sie nennen? Am
meisten wurde genannt: „Die Gesundheit!“
Der Volksmund sagt: „Die Gesundheit ist alles. Aber ohne Gesundheit ist alles nichts!“
Das Wort, das Gott zu uns spricht: „Ich will dein Arzt sein“ – weist auf mehr hin als auf eine Heilung, wie man sie mit Medikamenten oder mit einer Operation zu erreichen sucht.
Es gibt in der Tiefe unseres Herzens und unserer Seele etwas, das lässt auch die Gesunden unter uns sprechen: „Ich bin nicht heil …“
In Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, dem „Heiland“ ist es verbürgt: „Ich will dein Arzt sein!“
Er wird mein Arzt sein – und ich werde leben!
Diesem göttlichen Arzt empfehle ich Sie und wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine gute und heile Woche.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
20. Februar 11
Liebe Angehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Alle großen Ereignisse im Leben werden mit einem Mahl begangen: Geburt, Taufe, Erstkommunion, bestandene Examen, Hochzeit, Jubiläen und viele andere Anlässe – sogar das Begräbnis eines
Menschen.
So wurde auch das größte Fest der Juden- das Pascha – mit einem Familienmahl gefeiert. – Damals wie heute denken die Juden dabei an die Befreiung des Volkes aus der Knechtschaft Ägyptens.
Das Essen des Lammes, das Teilen des ungesäuerten Brotes und das Trinken aus dem Segensbecher spielen bei diesem Mahl eine wichtige Rolle.
Als Jesus mit seinen Jüngern das letzte Paschamahl feierte, knüpfte er an diese Zeichen von Brot und Wein an. Doch er gab diesem Zeichen eine neue Bedeutung und einen neuen Sinn und Inhalt:
Alles, was er war:
sein Leben und seinen Tod,
seinen Leib und sein Blut
wollte er für die Menschen hingeben.
Die Evangelisten und der Apostel Paulus überliefern uns Jesu Auftrag:
„Tut diese zu meinem Gedächtnis!“
Immer wenn die Jünger Jesu – das sind auch wir! – sich in Jesu Namen versammeln, um Gott zu loben, miteinander „das Brot zu brechen“ (der älteste Name für die Eucharistiefeier!) und aus dem Kelch zu trinken, will er bei ihnen sein.
Die Jünger haben Jesu Auftrag erfüllt. Sie haben sich von Anfang an am ersten Tag der Woche, dem Tag der Auferstehung Jesu, versammelt und dabei „das Geheimnis des Glaubens“ erlebt, dass
der Gekreuzigte und Auferstandene mitten unter ihnen gegenwärtig wird.
Seitdem hat die Gemeinschaft der Kirche zu keiner Zeit aufgehört, sich Sonntag für Sonntag um den Herrn zu versammeln, um zu tun, was er ihr aufgetragen hat.
Die Grunderfahrung dieser Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn ist Gemeinschaft.
Jesus Christus, der uns zusammenruft und unter uns gegenwärtig wird, stiftet Verbundenheit und Frieden.
Das gemeinsame Beten, Singen und Schwiegen,
die gegenseitige Vergebung und Versöhnung,
der Austausch des Friedensgrußes,
die gemeinsame Kommunion
bauen diese Gemeinde auf als „einen Leib in Christus“. (Paulus).
Darum darf die sonntägliche Eucharistiefeier als das „letzte Abendmahl“ und „Vermächtnis“ – das heißt „Testament“ Christi nicht durch unsere Unverbindlichkeit, Beliebigkeit und
Lauheit „ver- kommen“.
Denken Sie noch einmal darüber nach, was für Sie am Sonntag „Priorität“ hat.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
13. Februar 11
Liebe Angehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Der „letzte Wille“ eines Menschen – sein Testament“ ist heilig und bedeutet den Angehörigen und Freunden in der Regel sehr viel. Auch die Jünger Jesu haben am Abend vor seinem
Leiden und Sterben ein „Ver-mächtnis“ empfangen. Auch die nach ihnen kamen, erfüllen dieses Testament bis zum heutigen Tag in einzigartiger Treue.
Der älteste Bericht über das Vermächtnis Jesu Christi ist uns vom Apostel Paulus überliefert und steht im 1. Brief an die Gemeinde von Korinth. – Dieser Brief wurde um das Jahr 54 nach Chr.
geschrieben. Er lautet so:
„Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis" „
Was Jesus mit diesem Vermächtnis wollte, rührt an ein Geheimnis, das sich in seiner letzten Tiefe dem menschlichen Begreifen entzieht.
Es wäre nicht einmal ungewöhnlich, wenn wir an diesem Geheimnis ebenso Anstoß nehmen würden, wie die Leute von damals in Kapharnaum. Als Jesus damals davon sprach, riefen sie empört:
- „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“
Und selbst ein Großteil seiner Anhänger und Jünger begehrten auf:
- „Was er sagt, ist unerträglich! Wer kann das anhören?“
Und viele verließen ihn und folgten ihm nicht mehr nach.
Wir nähern uns dem Abendmahlgeheimnis, wenn wir wie Petrus zu Jesus sprechen:
„Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ (Joh 6, 68 – 69).
Dann können wir die Absicht Jesus erahnen, die seinem Vermächtnis zugrunde liegt. Sie lässt sich in zwei seiner Worte zusammenfassen:
„Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10, 10).
Und:
„Wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.“ (Joh 6, 57).
Das Leben, das Jesus uns gibt, ist schon in seinem Namen „Retter“ und „Erlöser“ ausgesagt. Er erlöst uns von Sünde und Schuld.
Die lebensspendende Kraft Jesu Christi dringt im hl. Mahl in uns ein. Dieses Geheimnis ist vergleichbar mit einer „Blut-Transfusion“, die Leben spendet und Leben rettet.
Paulus sagt in seinem Brief an die Galater:
„Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. (Gal 2, 20). Das Vermächtnis Christi: „Das ist mein Leib, das ist mein
Blut.“ ist so ein kostbares Geschenk, das jede irdische Kostbarkeit überragt. Wissen wir das zu schätzen oder treten wir es mit Füßen, indem wir diesem hl. Mahl aus jedem x-beliebigen Grund fern bleiben?
Ich lade Sie ein, die sonntägliche Eucharistiefeier wieder neu zu entdecken durch eine aktive Mitfeier.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine gute Woche und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
23. Januar 11
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Vom 18. – 25. Januar begehen wir alljährlich die Gebetswoche für die Einheit der Christen. In den Gottesdiensten und Fürbitten beten wir in diesem großen Anliegen der Christenheit.
In seiner Enzyklika: „Ut unum sint“ (= „damit alle eins sind“) hat der selige Papst Johannes XXIII. geschrieben:
„Mit Freude und Dankbarkeit können Christen sagen: Das, was uns verbindet, ist größer, als das, was uns trennt.“?
Was verbindet uns Christen?
Alle Christen bekennen ihren Glauben an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
an Jesus Christus, den Sohn Gottes und Erlöser und
an den Heiligen Geist, den Beistand, den Spender des Lebens und der Heiligkeit.
Durch das Sakrament der Taufe sind sie wiedergeboren und vereint mit Christus.
Sie haben Teil am Gebet und bedienen sich vieler anderer Quellen des spirituellen Lebens.
Sie ehren die Heilige Schrift als das Wort Gottes und als beständige Norm des Glaubens und Handelns.
- Die Hochachtung der Heiligen Schrift ist ein grundlegendes Band der Einheit zwischen den Christen: - Dieses Band bleibt auch dann, wenn ihre Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften nicht
in voller Gemeinschaft und Einheit miteinander stehen. –
Alles, was getan werden kann, damit die Mitglieder der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften das Wort Gottes lesen – wenn möglich gemeinsam in einer Gruppe! -, all das bekräftigt das Band der
Einheit, das sie schon eint und bekräftigt das gemeinsame Zeugnis für das Heil bringende Wort Gottes in dieser Welt.
Über die Bibel, das Wort Gottes, haben Christen sich zerstritten und haben das Band der Einheit durchtrennt.
Die Bibel, das Wort Gottes, ist der Weg, auf dem die zerstörte Einheit wieder hergestellt werden muss.
Beten wir in dieser Woche um die Einheit der Christen: „Herr, Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt. Gedenke deiner Christenheit und
führe zusammen, was getrennt ist. Amen“
Ich wünsche Ihnen allen im Namen des Seelsorgeteams eine gute Woche und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor
Leo Hofmann
16. Januar 11
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Im Alten Testament gibt es eine weniger bekannte Erzählung über einen frommen Juden namens Daniel. Er lebt im Exil in Babylon.
Babylon ist Zeichen und Symbol, mehr noch: ein Synonym (= gleichbedeutendes Wort) für ein in sich geschlossenes, totalitäres System. Im Buch Daniel 6,8 heißt es:
„Jeder, der an irgendeinen Gott oder Menschen außer dich, König, eine Bitte (oder ein Gebet) richtet, der soll in die
Löwengrube geworfen werden.“
Mit anderen Worten: Alles nur noch König! Der König ist alles! Der König ist Gott. Vor ihm haben alle in die Knie zu gehen. – Aber der fromme Jude Daniel tut es nicht!
Es heißt weiter (Dan. 6, 11):
„Da ging er in sein Haus. In seinem Obergemach waren die Fenster nach Jerusalem hin offen. Dort kniete er dreimal am Tag nieder und richtete sein Gebet und seinen Lobpreis an seinen
Gott.“
Das geschlossene politische System Babylon und Daniels Obergemach mit den offenen Fenstern nach Jerusalem, der Stadt des lebendigen Gottes, stehen sich hier gegenüber:
geschlossen – offen!
Manchmal bin ich versucht zu glauben: „Unsere Welt hat keine Fenster mehr – Wohin wir schauen
- durch das Mikroskop oder durch das Fernrohr,
- auf den Bildschirm oder in die Bilanzen,
wir begegnen allenthalben nur noch uns selbst!
Gott kommt so gut wie nicht mehr vor im öffentlichen Leben.´
Wir sitzen wie in einem riesigen Spiegelsaal, ohne ein Fenster zur Ewigkeit. Aber was geschieht, wenn wir uns nur noch selbst bespiegeln und uns selbst genügen?
Wer nicht weiß, woher er kommt und wohin er geht, der landet sehr schnell dort, wohin er gar nicht wollte.
- Wir sind als Christen berufen, wie Daniel „die Fenster offen zu halten im Obergemach“.
- Wir müssen die „Aus-sicht“ und den „Durch-blick“ auf Gott hin frei halten.
Es wäre verhängnisvoll, wenn wir auch in der Kirche zu einem geschlossenen System würden, in dem alles funktioniert, aber die Fenster nicht mehr offen sind für Gott.
Daran erinnert uns ein Gebet der Kirche:
„Gott, du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.“
Das Gebet ist der Atem des Glaubens. Oft genug sind wir außer Atem, leiden an Atemnot.
Wenn wir nicht mehr wissen, was uns atmen lässt, wenn wir die Fenster zu Gott nicht mehr offen halten, dann müssen wir sagen: „Gute Nacht, Glaube!“
Im Gebet – das sollten wir uns alle bewusst machten – geht es um Sein oder Nichtsein des Glaubens.
Deshalb rufe ich Ihnen, liebe Pfarrangehörige, allen zu: „Nehmt das Gebet nicht auf die „leichte Schulter“!
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams allen eine frohe und gesegnete Woche. Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
09. Januar 11
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
In der Zeitung wird oft berichtet, wo und wann eine besondere Einweihungsfeier stattfindet. Viele Dinge werden eingeweiht: Brücken, Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Fahrzeuge,
Feuerwehrgeräte, Sportplätze, Vereinsfahnen und vieles andere mehr.
Wenn bei der Einweihung ein Priester dabei ist und ein Segensgebet spricht, tritt der eigentliche Sinn der Weihe noch deutlicher hervor. Wir spüren, dass wir es in solchen Situationen auch
mit Gott zu tun haben.
Bei dem Wort „gottgeweiht“ denken wir vielleicht gleich an Priester oder Ordensleute. Denken wir aber auch daran, dass wir alle seit dem Tag unserer Taufe „gottgeweiht“ sind? Die Taufe verbindet Priester und Laien zu einer unlösbaren Gemeinschaft mit Gott.
Wir feiern heute das Fest der Taufe Jesu. Bei der Taufe Jesu im Jordan – so berichtet die Bibel – öffnet sich der Himmel. Die Stimme aus dem Himmel sprach: „Das
ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ (Mt 3, 17).
Diese Worte stehen aber seit dem Tag unserer Taufe auch über unserem Leben. Es sind nicht nur schöne Worte, sondern Worte, die für uns Licht und Leben bedeuten.
In einem Kirchenlied beten und singen wir: „Aus Wasser und dem Heilgen Geist bin ich nun neu geboren. Gott, der die ewge Liebe heißt, hat mich zum Kind
erkoren (= erwählt). Ich darf ihn rufen „Vater mein“. Er setzte mich zum Erben ein.“
Wir feiern unsere Geburtstage. Kennen wir aber auch unseren Tauftag? Vielleicht sollten wir einmal einen Blick ins Stammbuch tun. Da stehen Tauftag, Taufpriester oder Diakon, Taufkirche und
Taufpaten. Wir wissen aber auch: Was geweiht ist, kann entweiht werden. Deshalb dürfen wir es nicht dabei bewenden lassen, getauft zu sein. Es ist unsere Aufgabe, wachsam und sorgsam mit diesem „Gottesgeschenk“
umzugehen und uns der besonderen Würde bewusst zu werden, zu der wir erwählt und berufen sind. Deshalb mahnt Papst Leo d. Große die Getauften mit den Worten: „Christ, erkenne deine Würde!“
Ich empfehle daher: Wenn Sie vor Gottesdienstbeginn beim Betreten der Kirche sich zur Erinnerung an die Taufe mit Weihwasser bekreuzigen, beten Sie in der Bank das Gebet: „Dank für die
Taufe“, im Gotteslob 50, 2.
Zum Fest der Taufe Jesu wünsche ich Ihnen allen, dass Sie froh und dankbar über dieses Geschenk der Gotteskindschaft werden.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine gute Woche und grüße Sie von Haus zu Haus.
Ihr Pastor Leo Hofmann
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