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25. Dezember 2009 – Weihnachten
Liebe Angehörigen der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Gott ist ein Kind geworden, damit wir Kinder Gottes werden. Das ist das zentrale Geheimnis der Weihnachtsbotschaft.
So genannte „mündige Leute“, die selber schon über alles längst Bescheid wissen, werden den Zugang zu dieser Botschaft kaum finden. –
Im Markus-Evangelium heißt es: „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“
Im Johannes-Evangelium lesen wir: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden!“
Wie ist das möglich? „Du bist doch kein Kind mehr“, sagen wir heranwachsenden Menschen, wenn sie Tränen und Gefühle von Freude oder Schmerz und Trauer nicht zurückhalten können, wenn sie
ihren Empfindungen und Gefühlen spontan freien Lauf lassen.
Gott wird Kind, weil er nicht deutlicher machen kann, wie er mit uns anfängt. Das Kind macht deutlich, dass ich immer wieder neu anfangen kann: Alle Begeisterung neu zu entdecken, die
die Nacht der Gewohnheit hat einschlafen lassen. So steigt Gott in unser Leben ein. So wir Gott Kind – auch in uns!
Wer mit diesem göttlichen Kind oder mit seiner Gemeinde „gebrochen“ hat, kann neu anfangen.
Wo Glaube und Liebe zum Stillstand gekommen sind gilt:
„Ein Kind bringt Leben in die Ehe, in das Haus, in die Kirche und in das Herz.“
Gott bleibt Kind in uns, weil er nie aufhört anzufangen. Lassen wir darum die Zeichen sprechen, die uns in der Heiligen Nacht erinnern, dass wir „Kinder Gottes“ sind.
Denn 360 Tage im Jahr spielen wir „den starken Mann“, „die starke Frau“. In dieser Heiligen Nacht dürfen wir sein, was wir sind, weil „Er“ es geworden ist: ein Kind!
Liebe Angehörigen unserer Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler, ich wünsche Ihnen allen im Namen unseres Seelsorgsteams und aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein frohes und
gesegnetes Weihnachtsfest, ebenso Gesundheit, Zufriedenheit und Gottes Segen für das Jahr 2010.
Mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus!
Ihr Pastor Leo Hofmann
20. Dezember 2009
Liebe Angehörigen der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler
Vor Jahren habe ich von einem griechischen Ikonenmaler eine Ikone aus dem Urlaub mitgebracht: „´Die Wurzel Jesse“.
Ein schlafender alter Mann liegt am Boden und hat den Kopf in die rechte Hand gestützt. Aus seinem Schoss wächst eine Wurzel und ein Spross, der zu einem Baum wird.
Der alte schlafende Mann ist Isai: Er ist der Vater des späteren Königs David (oder nach der lateinischen Bibelübersetzung „Jesse = Mann Gottes“). Jesse schläft. Sein Gesicht strahlt
Zuversicht und Frieden aus.
Wie kann „Jesse“ so schlafen? Müsste er nicht nervös und geschäftig sein? Aber Jesse schläft. Wer schläft, der vertraut!
Jesse vertraut der Verheißung: Der Wurzelspross wird sich verzweigen. König David wird aus diesem „Stammbaum“ hervorgehen. – Jesse vertraut darauf, dass nach allem Auf und Ab vieler
Generationen der aus der Wurzel hervorgeht, auf den die Verheißung letztendlich zielt: Jesus, der Sohn Josefs aus dem Geschlecht Davids.
Das besingen wir in der Weihnacht im Lied: „Es ist ein Ros (ein Reis!) entsprungen, aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, aus Jesse kam die Art.“
„Du Wurzel Jesse“, so ruft die Kirche in einer Antiphon zum Magnificat im Advent zu Jesus, „Du stehst da als Zeichen für
die Völker. Komm und befreie uns!“
Wovon möchte ich befreit werden? Von meiner Hektik und Geschäftigkeit? Von meiner Anspannung und Ruhelosigkeit? Von meinem Misstrauen und Zweifel?
Ja, dann würde es Weihnachten nicht nur auf dem Kalenderblatt, sondern auch in mir.
Weihnachten kommt in mir, wenn ich vertrauen kann, dass Gott da ist, dass mein Leben in Gottes Hand liegt und letztlich alles gut wird.
Kann ich solches Vertrauen lernen?
Ich kann einstimmen in den alten Adventsruf der Kirche: „Du Wurzel Jesse, komm und befreie uns!“
– Dabei sehe ich auf den Wurzelspross aus dem die Freude der Weihnacht aufblüht.
Sagen Sie in diesen Tagen ganz bewusst: „Gott, du bist da. Mein Leben liegt in deiner Hand. Du machst alles gut.“
Dann fängt es an, Weihnachten zu werden in Dir und mir.
Einen frohen, gelassenen und ruhigen Advent wünscht Ihnen allen das Seelsorgeteam.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
13. Dezember 2009
Liebe Angehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Hätten jene Werbestrategen Recht, die uns einreden wollen, das Weihnachtsfest würde nur durch den Kauf ihrer Produkte ein „Frohes Fest“, dann wäre die Konsequenz: „Freude ist käuflich“.
Echte Freude kann man nicht kaufen. Sie ist immer ein Geschenk. In einem modernen Chanson heißt es: „Was wirklich zählt auf dieser Welt, bekommst du nicht für Geld.“
(Udo Jürgens).
Freude begegnet uns oft gerade da, wo sie am wenigsten erwarten. – Dass Freude nicht mit Geld zu kaufen ist, gilt ganz besonders auch für die Weihnachtsfreude.
Wenn es anders wäre, müssten die fröhlichsten Weihnachtsfeste in den Häusern der Reichen stattfinden. Glauben Sie das?
Fragen Sie einmal ältere Menschen, an welchen Heiligen Abend sie sich besonders gut erinnern. Meist sind das nicht die Festtage im neu gewonnenen Wohlstand, sondern die, die in
entbehrungsreichen Zeiten gefeiert wurden: In der Kriegs- und Nachkriegszeit.
Oftmals rückte aus der Not dieser Zeiten der eigentliche Wesenskern des Weihnachtsfestes wieder in den Mittelpunkt und vermittelte innere Zufriedenheiten und eine Hoffnung, die weit über
das Materielle hinausging.
Wenn wir uns wieder auf den eigentlichen Inhalt und auf die ursprüngliche Bedeutung der Weihnachtsbotschaft besinnen und einlassen, dann ist die äußere Festgestaltung zweitrangig.
Wenn wir Weihnachten als das Fest der Freundschaft Gottes mit uns Menschen feiern, dann spielt es keine Rolle, ob mit Sekt oder Selters, mit Peking-Ente oder Eintopf gefeiert wird.
Sicherlich hat das „Drumherum“ des Weihnachtsfestes seinen Reiz und seine Faszination. Aber es kann in meinem Leben nur dann den Stellenwert erhalten, der ihm zukommt – nämlich den der
Beiläufigkeit und Nebensächlichkeit – wenn ich um die Hauptsache und die zentrale Mitte weiß: Gott schenkt mir seine Zuwendung in der Gestalt des Kindes in der (Futter-)Krippe.
Dieses Ereignis der Liebe Gottes gilt es zu feiern, ganz gleich, in welchen äußeren Umständen ich lebe, ob arm oder reich.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams einen frohen und gesegneten Advent und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr
Pastor Leo Hofmann
06. Dezember 2009
Liebe Angehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Was ist für Sie das größte Unglück? – Streit? – Krieg? – Unfriede? – Dieses größte Unglück ereignet sich tagtäglich. Täglich ist irgendwo Streit. Täglich ist irgendwo Krieg. Täglich ist
irgendwo Unfriede.
„Du Sehnsucht“, so ruft die Kirche in diesen Tagen des Advents zu Christus. Mit diesem Ruf erhält meine Sehnsucht einen Namen, ein Gesicht. Meine Sehnsucht hat das Gesicht Jesu! –
Aber bin ich damit nicht total überfordert? Wie schwer fallen mir schon in Familie und Freundeskreis Zuwendung und Einfühlung. Wie schnell stoße ich an meine Grenzen. Zuwendung und
Einfühlung gegenüber jedem Menschen – das scheint unmöglich.
Ist dann meine Sehnsucht auch unmöglich? Muss ich den Adventsruf abändern und sagen: „Du Christus, meine unmögliche Sehnsucht – unerreichbar – unfassbar“?
Dann kommt alles darauf an, dass ich mich von ihm erreichen und erfassen lasse!
Sie werden fragen: „Wie geht das?“
Ich kann mit Jesus zum Vater beten: „Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe.“ – Nicht mein Name, nicht mein Reich, nicht mein Wille!
Wo ich nicht „ich“ sage, sondern „Du“, da streift meine Sehnsucht allmählich das Unmögliche ab.
Du meine Sehnsucht – mit diesem Ruf wachse ich über mich und meine Möglichkeiten hinaus. Aber dieser Ruf zu Christus ist noch kühner: Er heißt nicht nur: „Du meine Sehnsucht.“ Er geht
weiter: „Du Sehnsucht der Völker!“
Wo sich etwas unter Völkern von dieser Sehnsucht erfüllt, da erfüllt sich auch die Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung und Gemeinschaft.
„Du Sehnsucht der Völker“, so betet die Kirche in diesen Tagen des Advents. Wenn ich mit anderen in diesen „Christus-Ruf“ einstimme, dann bringt das auch meine Sehnsucht in Bewegung. Auch
meine Sehnsucht kann dann Schritt für Schritt in Erfüllung gehen.
Ich wünsche Ihnen allen einen frohen und gesegneten Advent und lade Sie ein, in den Christus-Ruf einzustimmen.
Im Namen des Seelsorgeteams grüße ich Sie alle von Haus zu Haus
Ihr
Pastor Leo Hofmann
29. November 2009
Liebe Angehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler,
gelegentlich höre ich junge Leute sagen: „Die Gottesdienste sind langweilig. Da muss mehr Pep und mehr Pop sein, sonst interessiert das keinen.“
Andere sagen: „Die Kirche müsste mehr mit der Zeit gehen. Sie sollte lockerer, offener sein. Sie müsste moderner organisiert werden und professioneller in ihren Ansichten
und in ihrem Auftreten.“
Ich kann die jungen Menschen verstehen, dass die Kirche ihre Botschaft lebensnäher verkünden sollte.
Aber gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass Kirche immer „unzeitgemäß“ ist. – Unzeitgemäß zu sein heißt nicht: starr, unbeweglich, steril und leblos zu sein.
Die „Uhren“ der Kirche gehen nur anders. Am ersten Adventssonntag beginnt ein neues Kirchenjahr. Das alte Kirchenjahr endet mit dem Christkönigsfest und beginnt mit einer „Zeit des
Wartens“ auf die Geburt Jesu.
Wir erwarten Gottes Sohn. Darin kommt die Hoffnung zum Ausdruck, dass Gottes Liebe mitten unter uns erfahrbar wir. Unsere Hoffnung und Erwartung braucht seine Zeit.
„Alles hat seine Zeit.“ sagt der Prediger Kohelet im Alten Testament. „Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit“,
sagt er. Alles hat seine Zeit. Alles braucht seine Zeit.
Heute heißt es eher: „Alles zu jeder Zeit, alles jetzt und sofort!“
Das bedeutet konkret: Das Karussell auf dem Weihnachtsmarkt dreht schon vor dem Totensonntag und dem Volkstrauertag seine Runden. Lebkuchen und Christstollen liegen schon seit September in
den Regalen.
In vielen deutschen Urlaubs- und Touristenstädten halten „Christmas-Shops“ das ganze Jahr hindurch die Türen für kauflustige Kunden offen. Es ist sicher „zeitgemäß“, durch die Ausdehnung
der Weihnachtszeit den Umsatz zu steigern. Zeit ist in diesem Sinne auch Geld.
Trotzdem scheint mir die „Unzeitgemäßheit“ des Kirchenjahres menschenfreundlicher zu sein:
Die Zeiten des Weinens und Lachens, die Zeit des Gedenkens an die Toten und die Zeit der frohen Erwartung auf den Advent (= Ankunft) des Herrn müssen unterscheidbar bleiben und dürfen
nicht nivelliert werden. Sonst haben weder Lachen noch Weinen Zeit und Raum.
Gut, dass die Kirche unzeitgemäß ist.
Ich wünsche Ihnen allen im Namen des Seelsorgeteams einen frohen und gesegneten Advent. Versuchen Sie trotz aller Hektik „Zonen der Stille“ in ihrem Alltag einzubauen.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
22. November 2009
Liebe Pfarrangehörige der Pfarreiengemeinschaft Marpingen-Alsweiler!
Wir feiern an diesem Sonntag das Hochfest „Christkönig“. – Papst Pius XI. hat dieses Fest 1926 für die ganze Kirche angeordnet.
Der äußere Anlass war das „Heilige Jahr 1925“, das mit großem Erfolg gefeiert worden war. Noch nie zuvor war der Pilgerstrom nach Rom so groß gewesen. Menschen aus aller Herren Länder
hatten sich zu diesem Ereignis zu den Gräbern der Apostel und Märtyrer der frühen Kirche auf den Pilgerweg gemacht.
Der Erste Weltkrieg hatte mit einer Katastrophe geendet. Feindschaft und Zerrissenheit hatten unter den Völkern hatten Wunden und Narben hinterlassen.
Pius XI. wollte durch das Christkönigsfest die „Idee von der Gemeinschaft der Völker und Nationen“ in Erinnerung rufen und verlebendigen.
Doch schon vor dem Heiligen Jahr 1925 kamen Anregungen zu einem Christkönigsfest aus dem benachbarten Frankreich. Im burgundischen Paray-le-Monial wurde der Christkönigsgedanke als
Ergänzung oder Verinnerlichung durch die Herz-Jesu-Frömmigkeit gepflegt.
In Deutschland wurde das Christkönigsfest bald zu einem Treffpunkt der Jugend in den Pfarreien und Dekanaten.
Während der Zeit des Nationalsozialismus ging vom Christkönigsfest eine lebendige Stärkung des Glaubens für die katholische Jugend aus.
Papst Paul VI. gab dem Fest in der Liturgie einen neuen Platz am letzten Sonntag des Kirchenjahres – einen Sonntag vor dem 1. Advent.
Pius XI. ging es bei diesem Fest nicht nur um die heilsgeschichtliche Bedeutung des Festes, sondern vor allem um den sozialen und staatspolitischen Wert des Christkönigsfestes. Er war davon
überzeugt:
Die Völker können in sich und untereinander nicht Frieden finden, wenn sie sich nicht gemeinsam unter das Königstum Christi stellen, der sie miteinander vereint und versöhnt.
Im Namen des Seelsorgeteams grüße ich Sie von Haus zu Haus und wünsche Ihnen Gottes Segen
Ihr Pastor Leo Hofmann
15. November 2009
Liebe Pfarrangehörige aus Alsweiler und Marpingen,
Nach einer alten Legende wird die folgende Geschichte „Vom Traum des Einsiedlers Epilandus“ erzählt:
„Epilandus lebte als Einsiedler in einer Felsenhöhle. Ganz in der Nähe sprudelte eine kleine Quelle. Einige Palmen boten ihm Datteln als Nahrung. Von früh bis spät sang Epilandus
Psalmen und Lieder; sie hallten wider an den Felswänden.
Eines Tages verirrte sich ein Kamelreiter in der Wüste. Epilandus nahm ihn freundlich auf und bewirtete ihn mit frischem Quellwasser und süßen Datteln. Der Kamelreiter hatte bald
großes Vertrauen zum Einsiedler, und er begann, sein Leben zu erzählen. Epilandus hörte tagelang zu - vom Leid und Gram, von den Fehlern und Schwächen des Nomaden. Als dieser seine Geschichte beendet hatte, umarmte
ihn Epilandus und segnete ihn.
Voll Freude kehrte der Fremde nach Hause zurück und erzählte von seinem Erlebnis beim Einsiedler. Von nun an zogen sie von allen Regionen zu Epilandus, erzählten ihm ihre Sünden und
holten sich Rat und Segen. Befreit und beglückt zogen sie wieder nach Hause.
So ging das viele Jahre lang, und Epilandus hörte voller Güte und Menschenfreundlichkeit, was jene ihm zu beichten hatten. Doch eines Tages überkam ihn tiefe innere Unruhe. Er hatte
Zweifel, und eine innere Stimme raunte ihm zu, er sei zu gütig zu den Menschen; er solle ihnen von den Strafen der Hölle erzählen, damit sie endlich aufwachten und sich bekehrten...
Epilandus war zutiefst erschüttert, und so entschloss er sich zu fliehen. Nach einer langen Tagesreise sank er vor Müdigkeit in einen tiefen Schlaf - und er träumte von einem
Weinstock in voller Lebenskraft. Er stand mitten in der Wüste. Wanderer kamen von allen Seiten und labten sich an seinen Trauben. Voller Dank gegenüber dem Schöpfer zogen sie weiter. Und ein Engel sprach zu
Epilandus: ,,Der Weinstock - das bist du. Kehr zurück zur Felsenhöhle und erquicke die Menschen mit deiner Liebe ..."
Als Epilandus erwachte, erkannte er die List des Teufels - und er zog zurück in seine Höhle und hörte nie mehr auf, die Menschen mit seiner Güte zu beglücken - eingedenk jenes
Herrenwortes: Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
„Der Weinstock – das bist du!“ – Dieses Wort gilt nicht nur dem Einsiedler Epilandus. Jeder von uns kann auf seine Weise dieser „Weinstock“ sein, der Menschen mit seiner Güte ermutigt,
erfrischt und erfreut.
Nehmen wir doch diese Geschichte als „Leitwort“ mit in die Woche. Es wird uns und anderen nützen.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine gute Woche. Mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
8. November 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
In einem Dorf, in dem es schon länger kein Gasthaus, keine Post und Bank, keine Metzgerei und Bäckerei gibt, ist nur noch die Dorfkirche geblieben.
In ihr versammeln sich die Dorfbewohner jeden Sonntag zum Gottesdienst.
Nun musste die Kirche wegen Renovierungsarbeiten für mehrere Wochen geschlossen bleiben. – Ausweichmöglichkeiten gab es nicht. – Die Gemeindemitglieder gingen entweder in die Nachbarkirche
oder sie gingen eben wochenlang gar nicht mehr zum Gottesdienst.
Nach einigen Wochen sagte eine Frau im Dorf: „Jetzt trifft man sich überhaupt nicht mehr. Es wird höchste Zeit, dass die Renovierung abgeschlossen wird. Sonst kommen wir nie mehr
zusammen.“
Einander nicht mehr begegnen, einander nicht mehr treffen – das ist nicht nur in diesem kleinen Dorf so. – Jeder geht heutzutage seiner Wege, hat es eilig.
Kaum einer hat Zeit zu einem Gespräch, zu einem Zusammenstehen und Plaudern. Man trifft sich immer seltener, man begegnet sich kaum mehr.
Der Gottesdienst der Christen ist ganz wesentlich Anlass zur Zusammenkunft und zur Begegnung: Man teil sich mit, tauscht sich aus, man sieht sich und begegnet einander.
Blicken wir in die Geschichte zurück: Es geschah am 11. Februar des Jahres 304 n. Chr. Der römische Kaiser Diokletian (Erbauer der Trierer Kaiserthermen und der Basilika) hatte
befohlen, alle gottesdienstlichen Versammlungen der Christen zu verbieten und ihre sakralen Räume zu zerstören.
In der Stadt Abitana (Nordafrika) waren 49 Christen gerade zu Eucharistiefeier versammelt, als Beamte, unterstützt von Stadtsoldaten, die Christen festnahmen. Diese kamen nach Karthago
(Hauptstadt!) vor Gericht. Als sie sich weigerten, dem Glauben an Christus abzuschwören, wurden sie geschlagen und gefoltert. Alle Beschuldigten waren sich bis zuletzt einig im Bekenntnis:
„Ohne das Zusammenkommen und ohne die eucharistische Feier am Sonntag können wir nicht leben.“
Ja, wir brauchen diese gemeinsame Feier. Denn der Mensch lebt nicht von der Arbeit allein. Der Mensch braucht die Feier. Er braucht die Zeit für seine Mitmenschen – und erst recht für Gott.
Wer die Zeit für Gott nicht mehr hat, der hat auch bald keine Zeit mehr für den Menschen. Dann sieht es für uns alle schlecht aus. Wir sterben den „sozialen Kältetod“!
Die Israeliten des Alten Bundes nannten ihre Zusammenkunft am Sabbat ein „Fröhlichsein vor Jahwe“. – Fröhlichsein vor Gott, miteinander leben, miteinander glauben – ohne diese
„Sonntagskultur“ geht unser Mensch sein und unser Christ sein zugrunde.
Wenn am kommenden Sonntag in der gesamten Bundesrepublik die Besucher der katholischen Gottesdienste gezählt werden, dann ist das kein „Zahlenfetischismus“, der hier betrieben wird.
Aber die Zahl der Gottesdienstbesucher kann uns in etwa Aufschluss darüber geben, wo wir mit unserer „Sonntagskultur“ stehen.
Es geht gewiss nicht in erster Linie um Zahlen und Statistiken. Es geht letztlich darum:
Der Gottesdienst ist und bleibt der Ort, wo der gehetzte Mensch die Ruhe des Herzens, die verborgene Führung Gottes in seinem Leben und damit Orientierung, Hilfe und Hoffnung für seinen
Alltag erfahren kann.
Wir müssen in der gottesdienstlichen Feier zusammenkommen, damit die Begegnung mit Gott und unter einander sich ereignen kann.
Im Namen unseres Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen allen einen frohen Sonntag.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus bleibe ich
Ihr Pastor
Leo Hofmann
01. November 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
In den meisten Hauptstädten dieser Erde gibt es ein „Grab des unbekannten Soldaten“. – Es soll an all diejenigen erinnern, die für ihr Vaterland unbemerkt und unerkannt ihr Leben
hingegeben haben.
So gibt es auch auf vielen Friedhöfen und an unbekannten Orten zahllose Gräber von nicht „heilig gesprochenen“ Heiligen –
Das Fest Allerheiligen gilt auch ihnen, nicht nur den namentlich bekannten Heiligen. – In der „Allerheiligen-Litanei“ werden viele Heiligen mit ihrem Namen genannt. Aber sie schließt auch
eine Vielzahl von Heiligen ein, die nicht ausdrücklich namentlich erwähnt werden:
„Ihr heiligen Päpste und Bischöfe …
„Ihr heiligen Märtyrer und Bekenner …
„Ihr heiligen Väter und Mütter …
„Alle Heiligen Gottes – bittet für uns!“
Die Kirche tut gut daran, Menschen, die ihr Christ sein aus dem Geist des Evangeliums sehr ernst genommen haben, nach dem Tod heilig zu sprechen.
Denn wir Christen brauchen dringend Vorbilder und Leitbilder.
Die Heiligen sind gewissermaßen „Dolmetscher“ des Evangeliums.
Sie übersetzen uns anschaulich das Evangelium in das praktische Leben und zeigen, wie wir es „verwirklichen“ sollen.
Wir dürfen aber das Wort „heilig“ nicht ausschließlich denen vorbehalten, die in der Allerheiligen-Litanei oder im Heiligenkalender der Kirche benannt sind. –
Sie sind nicht zuerst dadurch heilig geworden, dass sie sich gleichsam in einem „Kraftakt“ zur Vollkommenheit im christlichen Leben hoch geschwungen haben,
sondern weil sie von Gott in der Taufe „geheiligt“ worden sind. Das hat aber Gott auch an unzählig vielen anderen getan, und er tut es ständig – auch an uns!
Deshalb nennt der hl. Paulus alle getauften Christen, an die er seine Briefe adressiert „Heilige“.
Im Römerbrief 1, 7 schreibt er:
„An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“
Wir getaufte Christen können mit der Gnade Gottes mitwirken und zur Heiligkeit gelangen.
So war es mit den nicht heilig gesprochenen Heiligen, die früher gelebt haben. So ist es in unserer heutigen Welt mit denen, die jetzt verborgen und unbekannt als Heilige in unserer Mitte
leben.
Keinem von uns fehlt die zu solcher Heiligkeit notwendige Gnade Gottes. Auch jeder von uns ist zur Heiligkeit berufen.
Würde es nicht mit der Welt, mit unserer Gesellschaft und nicht zuletzt mit der Kirche besser stehen, wenn mehr Christen – wenn auch wir – treu der Berufung Gottes folgen würden?
Es gibt im Himmel unzählige Scharen von Heiligen, die zwar nicht von der Kirche, aber von Gott heilig gesprochen worden sind.
Wir wollen auch sie um ihre Fürbitte anrufen. Sie waren ein Segen für die Menschen und für diese Welt. Sie sind es auch heute noch!
Allerheiligen ist ein Fest der Hoffnung und Zukunft unseres Lebens. Im Namen des Seelsorgeteams lade ich Sie alle zu den Gottesdiensten ein und wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Fest.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus bleibe ich
Ihr Pastor Leo Hofmann
25. Oktober 2009
Liebe Pfarrangehörige aus Alsweiler und Marpingen,
Dieser Tage las ich als Bettlektüre vor dem Schlafengehen folgende Geschichte des russischen Dichters Leo Tolstoi (1828 – 1910), die ich Ihnen als „Impuls zum Nachdenken“ mitteilen
möchte.
Diese Geschichte trägt die Überschrift: „Vom König, der Gott sehen wollte“:
Vor vielen Jahren lebte ein Herrscher, der hatte sich in den Kopf gesetzt, er wolle Gott sehen. So befahl er denn den Priestern und den Weisen des Landes, sie sollten seinen Wunsch
erfüllen. Natürlich wusste niemand, wie man diesem Befehl des Königs folgen könne, und schon ängstigten sich die Priester und Weisen, was wohl passiere, wenn sie den Wunsch ihres Herrschers nicht erfüllten.
Da traf eines Tages ein Hirte am Königshof ein. Er hatte vom Wunsch des Herrschers gehört, und er erklärte sich bereit, den königlichen Wunsch zu erfüllen.
Der Herrscher willigte ein; falls er es aber nicht fertig bringe, sollte es den Kopf des Hirten kosten!
Der führte nun den König hinaus ins Freie und zeigte ihm die Sonne. „Schau genau hin!" sagte der Hirte, aber die Sonne blendete so stark, dass der König unwillkürlich die Augen
wieder schloss. „Du willst wohl, dass ich
erblinde?" schrie der König den Hirten an. Der antwortete: „Aber großer König, das ist doch nur die Sonne, ein schwache Abglanz der Größe Gottes; nur ein winziges Fünkchen des
großen göttlichen Feuers! Sag, willst du immer noch Gott sehen?"
Der König lenkte ein. Aber ehe er den Hirten wieder entließ, stellte er ihm eine weitere Frage: „Sag mir, was war, ehe Gott war?" Nach einer längeren Denkpause sagte der Hirte:
„Fang an zur zählen!“ Der König, etwas verwundert über die sonderbare Bitte, begann: „Eins, zwei, drei ...“ Doch der Hirte unterbrach ihn: „Was kommt vor der Eins?“ Der König: „Nichts; mit der Eins fängt doch erst
alles an!" Darauf der Hirte: „Sehr gut und sehr weise, großer Herr! Auch vor Gott gibt es nichts ..."
Das gefiel dem König und er war willens, den Hirten großzügig zu belohnen; doch zuvor wollte er ihm noch eine dritte Frage stellen: „Was macht Gott?" Auch darauf wusste der Hirte
eine Antwort: „Lass uns die Kleider für kurze Zeit tauschen“, sagte er zum König. Und sie taten so. Dann fuhr der Hirte fort: „Dies macht Gott: Er steigt vom Thron und wird einer von uns; er gibt uns, was er hat,
und nimmt entgegen, was wir haben und sind."
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen allen im eine gute Woche und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
18. Oktober 2009
Liebe Pfarrangehörige aus Alsweiler und Marpingen,
Der größte deutsche Mystiker des christlichen Mittelalters, Meister Eckhart (1260 – 1327), war Theologe und Philosoph. Von ihm stammt das beeindruckende Wort: „Das
Größte, das Gott je an den Geschöpfen gewirkt hat, ist seine Barmherzigkeit.“
An dieses Wort wurde ich erinnert, als ich im Tagesgebet der hl. Messe am Sonntag, den 27. Sept. 2009, betete: „Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen.“
Was für eine großartige und großzügige „Offerte“ Gottes an uns! Rechnen nicht auch wir täglich mit der Barmherzigkeit unserer Mitmenschen, gerade unserer Allernächsten?
Wie schwer fällt es uns aber oft, selbst im engsten Kreis der Familie über unseren Schatten zu springen, geduldig, großzügig und barmherzig zu sein!
Es gibt Eheleute, die einander versprochen haben, am Abend hinter sich zu lassen, was sie sich während des Tages an Ungutem und Hässlichem angetan haben.
Uns allen würde ein solcher „Pakt der Barmherzigkeit“ gut tun: Mit dem Erbarmen der anderen rechnen dürfen und selbst barmherzig zu sein:
Dabei darf diese Barmherzigkeit ruhig mit etwas Humor und wohltuender Ironie gewürzt sein. So manche Fehler unserer Mitmenschen – wie auch die eigenen – sind doch eigentlich zum Lachen.
Wir haben allerdings nichts zum Lachen, wenn wir unversöhnt und mit einem verhärteten Herzen am Ende unseres Lebens vor Gott stehen. – Denn dann dreht sich alles um dieses eine Thema:
Barmherzigkeit. Im Matthäus-Evangelium sagt Jesus: „Barmherzigkeit will ich, nicht (irgendwelche) Opfer.“
Kein anderer als Jesus selbst hat unmissverständlich ausgesprochen, dass das Endgericht „kein Pardon“ kennt gegen den, der kein Erbarmen gezeigt hat. Es ist also gut und heilsam, schon
heute zu beginnen mit einem „Pakt der Barmherzigkeit“.
Mit eindringlichen Worten mahnt der Apostel Paulus seine Gemeinde in Korinth: „Wir sind Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt:
Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2 Kor 5, 20).
Immer stehe ich unter dem Angebot der göttlichen Vergebung. Ich muss sie nur annehmen und mein Herz dafür öffnen. Doch das geht nur, wenn ich mich mit meinen Mitmenschen versöhne. Zu den
Bußgottesdiensten vor dem Allerheiligenfest lade ich Sie herzlich zur Versöhnungsfeier ein.
Ich wünsche Ihnen allen ein versöhnliches Herz. Es wird nicht nur den anderen, sondern auch Ihnen selbst gut tun.
Mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus – auch im Namen des Seelsorgeteams – bleibe ich
Ihr Pastor Leo Hofmann
11. Oktober 2009
Liebe Pfarrangehörige aus Alsweiler und Marpingen,
Der Monat Oktober wird seit über 400 Jahren als „Rosenkranzmonat“ begangen. – Was hat es eigentlich mit dieser „Gebetsschnüre“ auf sich?
Der Rosenkranz ist ein meditatives Wiederholungsgebet. Dazu dient die „Perlenschnüre“. – In der Zeit des lateinischen Psalmengebetes der Priestermönche (150 Psalmen im
Wochenrhythmus) haben im Mittelalter die Laienmönche, des Lateins unkundig waren, 150 „Vater unser“ gebetet.
Aus der ostkirchlichen Überlieferung kennen wir das so genannte „Jesusgebet“. – Es besteht in der ständigen Wiederholung des Rufes: „Herr Jesus Christus, Sohn des
lebendigen Gottes, erbarme dich unser.“
Die Tradition des Wiederholungsgebetes geht auf das dritte Jahrhundert zurück – also in die Zeit der Wüstenväter. Durch die ständige rhythmische Wiederholung der gleichen
Worte beteten die Wüstenväter sich spiralenförmig immer tiefer in eine Gebetshaltung hinein, in der nicht nur die Lippen, sondern auch die Sinne, der Atem und das Herz mitbeteten.
Und wie wird der Rosenkranz gebetet?
Das Rosenkranzgebet wird eingeleitet durch das „Apostolische Glaubensbekenntnis“, das „Ehre sei dem Vater …“, das „Vater unser“ und drei „Ave Maria“ mit den Einfügungen:
- „Jesus, der den Glauben in uns vermehre“,
- „Jesus, der die Hoffnung in uns stärke“,
- „Jesus, der die Liebe in uns entzünde“.
Dann folgen fünf so genannte „Rosenkranzgesätze“:
- Eingerahmt vom „Vater unser“ und dem „Ehre sei dem Vater …“ umfassen sie zehn „Ave Maria“, in dessen Zentrum jeweils eine Begebenheit aus dem Leben Jesu bzw. seiner Mutter Maria
bedacht wird.
Es geht beim Rosenkranzgebet nicht in erster Linie um eine ganz bestimmte manuelle Handhabung der Perlenschnur.
- Im Rosenkranzgebet verweilen wir mit Maria bei Jesus. Maria ist die Frau, die sich Gott geöffnet und geglaubt hat, was er ihr sagen ließ. Sie ist die Mutter Jesu und zugleich
seine treueste Jüngerin.
Indem wir sie im „Ave Maria“ mit den Worten des Engels und mit den Worten ihrer Verwandten Elisabeth grüßen, „nähern“ wir uns gleichsam innerlich und treten ein in ihr „Haus“.
- Der Name „Jesus“ steht immer in der Mitte jedes „Gegrüßet seist du, Maria“. Ich lerne zusammen mit Maria Jesus näher kennen und lasse mich von ihm „verwandeln“.
Wer das Rosenkranzgebet einmal lieb gewonnen hat, mag es in seinem Gebetsleben nicht mehr missen.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine gute Woche und bleibe mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
03. Oktober 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Am Sonntag, 04. Okt. 2009 (Erntedankfest!) findet um 16.30 Uhr in der Pfarrkirche Marpingen eine Lesung des Markus-Evangeliums statt. (Bitte Hinweis in den Mitteilungen beachten!)
Das älteste, griechisch geschriebene Evangelium wird nach altchristlicher Überlieferung dem Evangelisten Markus zugeschrieben. Er heißt mit vollständigem Namen Johannes Markus. Er stammt
aus Jerusalem und ist der Sohn einer Maria, in deren Haus sich die Urgemeinde in Jerusalem versammelte. Er war ein Vetter des Barnabas, ein Mitarbeiter des Apostels Paulus und später auch des Petrus.
Um das Jahr 70 nach Chr. – ein Menschenalter nach dem Tod und der Auferstehung Christi – wurde Jerusalem und der Tempel durch den römischen Felderherrn Titus zerstört.
Wenige Jahre zuvor – etwa 66 oder 67 n. Chr. – wurden Petrus und Paulus in Rom unter Kaiser Nero grausam hingerichtet.
Möglicherweise war das der Anlass für Markus, ein „Leben Jesu“ zu schreiben, in dem Petrus, dessen Predigten er mitgehört hatte, eine besondere Rolle spielt.
Markus hat von vornherein nicht angestrebt, ein „Leben Jesu“ im Sinne einer lückenlosen Lebensbeschreibung, einer Biografie, zu erstellen. Er wollte vielmehr wichtige Ereignisse des Lebens
Jesu für die kommenden Generationen festhalten.
Markus sammelte Überlieferungen über Jesus, vor allem: Wunderberichte – Gleichnisse – Geschichten, die in einem Jesuswort gipfeln und Ereignisse und Zeugnisse über die Passion Jesu.
Die geschichtliche Bedeutung des Markusevangeliums besteht darin, dass hier erstmals Geschichten und Ereignisse von Jesus und Worte Jesu in schriftlicher Form gesammelt und in eine
literarische Form eingeordnet werden, die er „Evangelium“, d. h. „Frohbotschaft“, nannte.
Der zeitliche und geographische Rahmen ist so gegliedert:
- Das Wirken Jesu in Galiläa (im Gebiet vom See Genezareth, Kap. 1, 14 – 5, 43)
- Wanderung durch das jüdisch-heidnische Gebiet von Samaria, mit Belehrung der Jünger (Kap. 6, 1 – 9, 5)
- Zug nach Jerusalem – Auseinandersetzung mit den jüdischen Behörden und schließlich Jesu Tod am Kreuz (Kap 10, 1 – 15, 47)
Das Evangelium nach Markus beginnt mit dem Auftreten Johannes des Täufers und endet mit dem Auffinden des leeren Grabes am Ostermorgen.
Die theologische Verkündigungsabsicht des Markus besteht darin:
Gott hat durch diesen Jesus seinen Willen offenbart, die Menschen zu retten.
Jesus ist der von den Propheten verheißene Messias, der Sohn Gottes.
Durch sein Wirken ist die Heilszeit angebrochen.
Jesus richtet das Reich Gottes auf: Er überwindet das Unheil und vergibt Sünden.
Die einzig angemessene Antwort auf die Botschaft Jesu lautet: Unbedingter Glaube und Bereitschaft Jesus nachzufolgen.
Weihbischof Ricardo Centellas aus Bolivien hat kürzlich in einem Interview gesagt: „Der Prozess der Neu-Evangelisierung ist dringend erforderlich, um eine neue, enge und fundamentale
Verbindung des Menschen zu Jesus zu schaffen. Vieles ist zu oberflächlich. Die tiefe Begegnung mit Jesus fehlt. Das muss erneuert und gepflegt werden durch Bibelstudium, Gebet und christliches Handeln.“
Liebe Angehörige der Pfarreiengemeinschaft, es ist mir ein besonderes Anliegen, die Bibel, das Wort Gottes, stärker in den Mittelpunkt unserer Pfarrgemeinden zu stellen. -
Die Lesung des Markusevangeliums von geschulten Sprechern ist ein wichtiger Impuls, dem Wort der Schrift zu begegnen. Der Apostel Paulus sagt: „Der Glaube kommt vom Hören.“
So lade ich Sie alle herzlich zur Markus-Lesung am kommenden Sonntag ein. Ich wiederhole noch einmal, was der große Bibelgelehrte der frühen Kirche, der hl. Hieronymus gesagt hat: „Wer
die Schrift nicht kennt, kennt Jesus nicht!“
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
27. September 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen
Für viele Kirchenbesucher sind die sonntäglichen Lesungen die einzige „Berührung“ mit der Bibel. Einmal in der Woche kommen sie für nur wenige Minuten mit den Worten der Bibel in Kontakt.
Vermittelt werden die Worte der Schrift durch den Lektor/ die Lektorin. Das „Vor-lesen“ des Wortes Gottes im Gottesdienst hat deshalb große Bedeutung für die Verbindung der Gemeinde mit der
hl. Schrift. – Eine gute Vorbereitung ist aus diesem Grund ein wichtiger Dienst für die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde.
Wenn Lesung und Evangelium deutlich, verständlich und sinngemäß vorgetragen werden, dann erhöht sich die Aufmerksamkeit und das Verständnis bei den Hörerinnen und Hörern. Dann kann ein
Wort oder ein Satz etwas „ent-zünden“ und „be-wirken“!
Der Lektor/ die Lektorin hat einen Vorteil gegenüber der Gemeinde. Er bzw. sie hat sich schon im Vorfeld mit dem biblischen Text bekannt und vertraut gemacht. Außerdem sind die Lektoren die
einzigen, die den biblischen Text lesen. Den Zuhörern fehlen die optischen Eindrücke der Buchstaben. Sie sind deshalb auf ein deutliches und sinnentsprechendes Vorlesen angewiesen.
Wenn sich die Lektoren – und auch der Priester oder Diakon – vor der Lesung und dem Evangelium inhaltlich mit dem Text beschäftigt und gedanklich auseinandergesetzt haben, dann werden sie
auch für die Hörer verständlich lesen.
Darum ist ihr Dienst für die Verkündigung nicht zu unterschätzen. Wünschenswert ist, dass sich sowohl die Lektoren – aber auch die einzelnen Gemeindemitglieder
– grundlegende Schriftkenntnisse aneignen durch:
Bibelgespräche, Kurse, Bücher, Zeitschriften etc.
Wichtig ist vor allem auch:
die Unterschiede in den Textarten der Bibel: z B. Erzählung, Bericht, Psalmen, Hymnen, Lieder, Briefe etc. zu kennen.
Die Teilnahme an Bibelgesprächen in der Gemeinde kann dabei sehr hilfreich sein. Beachten Sie deshalb die Angebote zu Bibelgesprächen in unserer Pfarreiengemeinschaft!
Der hl. Hieronymus, ein großer Bibelgelehrter der frühen Kirche, hat einmal gesagt: „Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen!“
Die Pfarrgemeinde St. Mauritius Alsweiler feiert an diesem Wochenende das Patronatsfest des hl. Mauritius. Wir wünschen allen Pfarrangehörigen ein frohes Fest des Glaubens und der
Gemeinschaft und viel Vergnügen auf der Kirmes.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich allen eine gute Woche und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
20. September 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Die Bibel ist die „Ur-kunde“ unseres christlichen Glaubens. Viele haben zwar eine Bibel in ihrem Bücherregal stehen, aber sie bleibt weitgehend unberührt. Sie bleibt ein verschlossenes
Buch mit sieben Siegeln!
Einfache Formen, die Bibel zu lesen, regelmäßig und wiederholt, können Wesentliches bewirken. Sie regen nicht nur zur Entdeckungsreise mit biblischen Texten an. Sie wirken oft segensreich
ins konkrete menschliche Leben hinein.
Ein Gedicht von Paul Roth fasst wunderbar zusammen, wie es gelingen kann einen persönlichen Zugang zur Bibel zu bekommen:
„Einmal am Tag da solltest du ein Wort in deine Hände nehmen, ein Wort der Schrift. Sei vorsichtig, es ist so schnell erdrückt und umgeformt, damit es passt.
Versuch nicht hastig, es zu „melken“, zu erpressen, damit es Frömmigkeit absondert. Sei einfach still. Das Schweigen, Hören, Staunen ist bereits Gebet und Anfang aller Wissenschaft und Liebe.
Betaste das Wort von allen Seiten, dann halt es in die Sonne und leg es an dein Ohr wie eine Muschel. Steck es für einen Tag wie einen Schlüssel in die Tasche, wie einen Schlüssel zu dir selbst.
Fang heute an! Vielleicht damit: << Es geschehe dein Wille, wie im Himmel so auf der Erde!>>“
Einmal am Tag sollten wir uns auf Gottes Wort einlassen. Wir sollten es behutsam „in die Hände“ nehmen und mit ihm vor allem still werden.
Im Schweigen und Hören kann sich die Kraft des Wortes Gottes entfalten. Im Schweigen und „Hin-Hören“ auf das, was zu uns sprechen will, kann das Wort Gottes uns zur Stärkung werden.
Lassen Sie sich darauf ein! Das Wort Gottes wartet darauf, von uns – von Ihnen entdeckt zu werden.
Eine große Hilfe ist das Lesen und Verstehen der Bibel in der Gruppe. Diakon Wolfgang Schu bietet ein 14tägliches Bibelgespräch an unter dem Motto: „Bibel teilen“. Näheres lesen Sie
bitte in dem nachstehenden Infokasten nach. Alle Pfarrangehörigen sind dazu eingeladen. Biblische Kenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Bringen Sie bitte Ihre Bibel mit!
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich allen Pfarrangehörigen eine gesegnete Woche.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus bleibe ich
Ihr Pastor Leo Hofmann
13. September 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Innerhalb einer Woche feiern wir drei Mariengedenktage:
08. September: Maria Geburt
12. September: Mariä Namen
15. September: Gedächtnis der sieben Schmerzen Mariens.
Maria, die Mutter Christi, geht an der Spitze des pilgernden Gottesvolkes. Oft genug führt dieser Pilgerweg durch Dunkel und Unsicherheit.
Das kommt in einem bekannten Lied und Gebet sehr deutlich zur Sprache: Es war im Jahr 1054, dem Jahr des schicksalhaften Ereignisses der Kirchenspaltung in Ost- und Westkirche.
Im Benediktinerkloster auf der Reichenau im Bodensee erklang zum ersten Mal das „Salve Regina“, verfasst von dem Mönch „Hermann, der Lahme“.
Dem von schmerzendem Gichtleiden heimgesuchten Mönch erschien das Erdendasein als ein Leben in Verbannung, als eine Wanderschaft durch ein „Tal der Tränen“. – Aber der Schöpfer des
unvergesslichen Marienliedes verlor nicht den Mut.
Er blickte unverzagt auf das Bild der verklärten Gottesmutter, die an den Leiden ihres göttlichen Sohnes zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangt ist.
So schrieb er auf, was aus seinem getrösteten Herzen kam: ein Marienlob, das nunmehr seit über 1000 Jahren in der ganzen Welt gesungen wird: „Salve Regina, mater misericordiae“ –
In der deutschen Übersetzung lautet es so:
„Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit
unser Leben, unsre Wonne und unsere Hoffnung sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.
Wohlan – denn, unsere Fürsprecherin,
wende deine barmherzigen Augen uns zu,
und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
die gebenedeite Frucht deines Leibes.
O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria“
„Unsere Hoffnung sei gegrüßt!“ Ja, Maria ist die erfüllte Hoffnung: Die jungfräuliche Mutter Jesu Christi, die auf Hoffnung hin geglaubt hat. Sie ist für das pilgernde
Gottesvolk das „Zeichen der sicheren Hoffnung“ geworden. Sie ermutigt alle Glaubenden, dem treuen Gott zu glauben. Maria wird „Morgenstern“ oder „Morgenröte“ des Heiles genannt, weil sie Christus,
den Herrn und Retter geboren hat. Darum ist sie auch die Ursache unserer Freude.
Liebe Pfarrangehörige, ich bitte Sie, die Marienfeste mit gläubigem Bewusstsein mitzufeiern. Sie sind Feste unseres Glaubens und unserer Hoffnung.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine frohe und gesegnete Woche und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
06. September 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
Der dänische Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard (1913 – 1855) hat uns eine tiefgründige Gleichniserzählung mit dem Titel: „Der brennende Wanderzirkus“ hinterlassen. Diese Parabel hat
nichts an ihrer Sinntiefe und Aktualität verloren. – Lesen sie selbst!
„Ein Wanderzirkus brach in Flammen aus am Rande eines Dorfes, wo er sich niedergelassen hatte. Der Zirkusdirektor wandte sich an die Darsteller, die schon für ihren Auftritt hergerichtet
waren. So schickte er den Clown ins benachbarte Dorf, um Hilfe beim Löschen des Feuers zu holen, das nicht nur den Zirkus zerstören, sondern über die ausgetrockneten Felder rasen und das Dorf vernichten könnte.
Der angemalte Clown rannte Hals über Kopf auf den Marktplatz ins Dorf und schrieb: „Der Zirkus brennt! Kommt und helft, das Feuer zu löschen!“ Die Dorfbewohner lachten und applaudierten
diesem neuen Werbetrick, durch den sie in die Vorstellung des Zirkus gelockt werden sollten. – Der Clown weinte und flehte. Do je mehr er weinte und flehte, desto mehr johlten die Dörfler, bis das Feuer sich über
die Felder ausbreitete und das Dorf erreichte. – Noch ehe die Dorfbewohner zur Besinnung kamen, waren ihren Häuser zerstört.“
Liebe Pfarrangehörige!
Manchmal werden auch „Außenseiter“ in einer „Spaß-Gesellschaft“ in die Rolle eines Clowns gedrängt.
Sie werden nicht ernst genommen.
Ihre Botschaft scheint vielen unwirklich, weltfremd und antiquiert, so dass man sich über sie lustig macht oder gar mit Spott und Häme verhöhnt.
Christen, die sich zu ihrem Glauben bekennen, werden vielfach in den Medien als die „letzten Idioten“ hingestellt.
Wenn Jesus angesichts einer „brennenden Welt“ die Menschen auffordert, umzukehren und an das Evangelium zu glauben“ (Mk 1, 15), könnten sie lachend und achselzuckend zurückfragen:
- Warum sollen wir umkehren? Wir sind doch auf dem richtigen Weg:
- des Fortschritts
- der Moderne
- des unabhängigen, selbständigen und aufgeklärten Menschen
- Warum sollen wir an das Evangelium glauben? – Wir haben doch eigene Auffassungen von der Welt und vom Leben!
- Warum sollen wir Anhänger und Jünger Jesu werden, wenn wir daran nicht interessiert sind?
Viele Menschen Glauben eben nicht, dass „der Zirkus“ brennt und somit eine Gefahr für die Welt werden kann. Wir fühlen uns in einer vermeintlichen Sicherheit, obwohl wir tagtäglich durch die Medien
auf vielfältige Bedrohungen (politischer, ökonomischer, ökologischer Art) hingewiesen werden, ganz zu schweigen von Terror, Gewalt und Krieg!
Wenn wir diese Gefahren und Bedrohungen nicht ernst nehmen, wie sollen dann die Boten, Mahner und Propheten ernst genommen werden?
Das Untertauchen in einer anonymen, lachenden Masse kann blind und taub machen und zu einem Ende mit Angst und Schrecken führen.
Das ist uns gerade am 01. September, dem 70. Jahrestag seit Ausbruch des 2. Weltkrieges neu bewusst geworden,
der 60 Millionen Menschen das Leben gekostet,
weite Teile Europas in Schutt und Asche gelegt und
ein unsägliches Flüchtlingselend herauf beschworen hat.
Wen Gott in die „Clown-Rolle“ ruft, der muss kompromisslos folgend, auch wenn er mitleidig belächelt oder laut ausgelacht wird.
Ich wünsche Ihnen allen Mut, Kraft und Zuversicht, sich unbeirrt zum Glauben zu bekennen.
Ich hoffe, in den nächsten Tagen aus dem Krankenhaus entlassen zu werden.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine gute und gesegnete Woche und verbleibe mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus. Ihr Pastor Leo Hofmann
30. August 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Dieser Tage habe ich im Krankenbett in einem Büchlein mit dem Titel „Der Sinndeuter“ folgende „Geschichte“ von Magda Becker gelesen, die mich persönlich angesprochen hat und die ich
gerne an dieser Stelle als Anregung zur Überlegung weitergebe:
„Der Seelenkosmetiker“
Jeder Heide, jeder Christ weiß wohl, was Kosmetik ist. Jeder Mensch, ob Mann, ob Weib, tut ja etwas für den Leib,
wäscht und salbt sich Haupt und Glieder, geht zum Doktor hin und wieder, um auch seine Innereien stets von Übeln zu befreien.
Leider – oder Gott sei Dank – werden viele trotzdem krank; denn sie lassen arg es fehlen an Kosmetik für die Seelen.
Hier komm’ ich als Fachmann heute, lasst euch raten, liebe Leute! Wenn die Seele sanft erwacht, morgens zwischen fünf und acht, braucht sie Stärkung für den Tag, der Gott weiß was bringen mag.
Drum empfehl ich gegen Sorgen das Gebet am frühen Morgen.
Hat die Arbeit uns am Kragen, rebellieren Herz und Magen, läuft die Galle, kocht das Blut, - hier sind Stoßgebete gut-!
Sie sind „Balsam auf die Schnelle“ für manch wunde Seelenstelle.
Abends nach des Tages Plage braucht der Mensch ganz ohne Frage noch den Seufzer „Gott sei Dank!“ Ohne diesen wird er krank.
Das verhärtete Gemüt wird gelockert durch ein Lied. Dies ist bessere Massage, als wenn Zorn dich bringt in Rage. Runzeln, Pickel oder Falten, die sich in der Seele halten,
müssen wir mit Liebe glätten, anders ist sie nicht zu retten.
Und ein wahrer Seelenhalter ist das Singen frommer Psalter. Als Korsett und Seelenmieder braucht der Mensch auch hin und wieder
ein ganz kräftiges Gebot, denn die Seele geht sonst tot! –
Mancher hier – ich schließ mich ein kennt das Wörtchen „Seelenpein“. Dieser Zustand macht auf Dauer Herz, Gemüt und Magen sauer.
Drum, als Natron für die Seele das Gespräch ich sehr empfehle.
Ist die Seele arg geschunden, heilt ein Pflaster viele Wunden, es wird einfach Trost genannt, ist nicht immer schnell zur Hand.
Seelen kann man auch entgiften, wenn die Menschen Frieden stiften.
Als Expander für die Seele Einkehrtage ich empfehle. Diese zieh’n sich etwas hin, haben aber tiefen Sinn.
Wird die Seele unempfindlich braucht sie Buße, aber gründlich. Merket! – Habgier oder Geiz nimmt der Seele jeden Reiz.
Sie wird platt wie eine Flunder. Großmut wirkt dagegen Wunder.
Eitelkeit und dummer Stolz macht die Seele hart wie Holz. Rachsucht macht die Seele klein, Machtgier macht sie hart wie Stein.
Hat die Seele Eiterbeulen – ja das gibt’s, es ist zum Heulen - , wenn es so schlimm um sie steht, setzt sie schleunigst auf Diät.
Weg mit allem, was gefährlich, in sich gehen, aber ehrlich
Manche Seele kriegte Schwung, wurde wieder frisch und jung, weil sie sich mal liften ließ und auf Gleichgesinnte stieß,
die mit ihr nach Freude strebten, mit dem Blick nach „oben“ lebten.
Ja, die Freude, liebe Leute, das ist mein Geheimtipp heute. Freude haben, Freude machen, Freuen, Singen, Beten, Lachen
ist Kosmetik für die Seelen, dringend möchte ich sie empfehlen; denn Gott schuf die Seelen schön, schön will er sie wiedersehn.
Wie Sie sicher erfahren haben, habe ich mich durch einen Unfall beim Einsteigen in den Zug am linken Bein so verletzt, dass ich im Krankenhaus operiert werden musste. Ich habe noch Glück
im Unglück gehabt, dass es nicht schlimmer ausgegangen ist. Ich hoffe, dass ich Ende der Woche, spätestens Anfang nächster Woche entlassen werde.
Ich wünsche Ihnen allen eine gute und gesunde Woche und verbleibe mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
23. August 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
In einem Lied heißt es: „Eine Bootsfahrt, die ist lustig – eine Bootsfahrt, die ist schön …“ Boot fahren gehört auf keinen Fall zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich bin nicht gerade
das, was man eine „Wasserratte“ nennt.
Darum habe ich um alles, was mit Booten zu tun hat, meistens einen großen Bogen gemacht. – Mein Verstand sagt mir zwar, dass Boote und Schiffe hilfreich und nützlich sind. Immerhin wird der
größte Teil der Erdoberfläche von Wasser bedeckt. Da bleibt uns Menschen gar nichts anderes übrig, als Flüsse und Meere mit schwimmenden Hilfsmitteln zu durchqueren.
Mich bedrückt und beklemmt aber ein unangenehmes Gefühl, wenn ich daran denke, ich müsste mit einer Schiffsreise den Ozean überqueren.
Falls die Technik versagt oder ein orkanartiger Sturm oder Hurrikan das Schiff in Bedrängnis bringt, ist der Mensch der vernichtenden Kraft des Wassers ausgeliefert. Er muss erfrieren
oder ertrinken, wenn nicht schnelle Rettung kommt. Berühmtestes Beispiel ist der Untergang der „Titanic“ auf ihrer Jungfernfahrt im Jahre 1912, bei der in kurzer Zeit 1.500 Menschen ums Leben kamen, als das größte
Schiff der damaligen Zeit bei Neufundland von einem Eisberg zerrissen wurde.
Immer schon war ein Boot oder ein Schiff ein Zeichen dafür, dass Menschen auf Gedeih und Verderb zu einer Notgemeinschaft verbunden sind, weil es angesichts der Wassermassen keinen
anderen Ausweg gibt, als zusammen zu halten.
Daher der Ausdruck: „Wir sitzen alle in einem Boot!“ D. h.: Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft.
Im Grunde ist unser Planet „Erde“ so etwas wie eine „Arche Noah“, die Schutz gewährt.
Der Spruch: „Wir sitzen alle in einem Boot“ passt haargenau.
Daher sollten wir eifrig bemüht sein, unser „Boot“ in Ordnung zu halten, damit es lange hält.
Wenn ich an die Umweltverschmutzung, den Hunger und die Kriege in der Welt denke, kommen einem so manche Zweifel hoch. Der Mensch bohrt „Löcher“ in das Boot, das ihn trägt. Und er merkt
nicht einmal, welche Folgen das hat.
Auch in biblischen Zeiten wusste man, wie bedroht das Leben sein kann, wenn es mit Wasser und Sturm in Berührung gerät.
Das neue Testament erzählt eine Geschichte, in der die Freunde Jesu von Wind, Sturm und Wasser überrascht werden (Mk 4, 35 – 31). Ihr Boot droht zu kentern. Angst und Panik machen sich
breit. Erst als Jesus dem Sturm Einhalt gebietet, tritt Ruhe und Entspannung ein.
Auch heute kann uns Jesus, der Mann aus Nazaret, weiterhelfen, wenn es gilt, die Stürme des Lebens zu überleben. Wenn wir seinen Weisungen folgen, tun wir nichts vergeblich. Jesus trägt
uns auf, rücksichtsvoll den Menschen zu begegnen und diese unsere Umwelt und Schöpfung zu lieben, zu achten und zu bewahren.
Denn nur so hat das Schiff mit dem Namen „Erde“ eine Chance, auf sicherem Kurs zu bleiben und angesichts der Gefahren und Bedrohung zu überleben.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen allen eine gute Woche und allen Schülerinnen, Schülern und Lehrern einen guten und erfolgreichen Schuljahresbeginn und die Gabenfülle des
Heiligen Geistes.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
16. August 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Wir feiern das „Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel“, wie der offizielle Liturgiekalender der Kirche sagt. Der Volksmund nennt dieses Fest kurz: „Maria Himmelfahrt.“
Der hl. Petrus Canisius, der große Vorkämpfer und Reformator des katholischen Glaubens während der Gegenreformation, hat vor mehr als 400 Jahren, als die mittelalterliche Kirchenspaltung
Fuß gefasst hatte, festgestellt: „Der Glaube an die Aufnahme Mariens in den Himmel sei so tief in allen Christen verwurzelt, dass er sich gezwungen sehe, die wenigen Gegner dieses
Glaubens einfach in Schutz zu nehmen.“
Die Aufnahme Mariens in den Himmel stößt heutzutage nicht nur bei Nichtkatholiken, sondern auch bei katholischen Gläubigen vielfach auf Befremden und Unglauben.
Wenn wir die Glaubenswahrheit, dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, mit der „Brille“ eine Naturwissenschaftlers, eines Mediziners oder Biologen lesen, dann
erhalten wir keine befriedigende Antwort.
Was will dieses Fest uns eigentlich sagen?
Die Aufnahme Mariens in den Himmel ist ein Zeichen des Himmels! Das heißt: unser Glaube an Marias Vollendung in Gott, an ihrer „Aufnahme in den Himmel“, will nicht eine Provokation für
den denkenden Menschen sein, dass er seinen Verstand zu Hause lassen muss.
Vielmehr ist dieser Glaube eine Aussage über unsere eigene Zukunft.
Maria ist weniger ein Zeichen am Himmel als vielmehr ein Zeichen des Himmels!
Die Aufnahme Marias in den Himmel ist die Zusage, dass Gott auch unsere persönliche Zukunft in seinen Leben schaffenden Händen hält. Es ist die Zusage, dass über unserem Leben eine
unzerstörbare, göttliche Hoffnung steht. Wir sind nicht „Kinder des Todes“, sondern „Kinder des Lebens“!
So gesehen ist der Glaube an die Aufnahme Mariens in den Himmel eine Antwort auf die bedrängendsten Fragen unserer Zeit.
Fragen, wie sie Heranwachsende im berühmten Musical „Hair“ stellen:
„Wo geh ich hin? Folg’ ich den Wolken? Wo ist der Weg, den ich nicht seh’? Wer weiß eine Antwort auf meine Frage, warum ich lebe - und vergeh’…?
Wo geh ich hin? Folg’ ich den Kindern? Seh’n sie den Weg, den ich nicht seh’? Gibt mir ihr Lächeln etwa die Antwort, warum ich lebe - und vergeh’…?
Folg’ ich dem Winde? Folg’ ich dem Donner? Folg’ ich dem Neon, das leuchtet im Blick derer, die lieben? Tief in der Gosse, hoch unter den Sternen kann Wahrheit sein!
Wo geh’ ich hin? Folg’ ich dem Herzen? Weiß meine Hand, wohin ich geh’? Warum erst leben, um dann zu sterben? Ich weiß nicht recht, ob ich das je versteh’!
Wo komm’ ich her? Wo geh ich hin? Sagt, wozu? Sagt, woher? Sagt, wohin? Sagt, worin liegt der Sinn, liegt der Sinn?“
Angesichts solcher existenzieller Fragen hat der christliche Glaube eine Antwort: Denn wir glauben, dass
das Leben der Frau Maria aus Nazaret das Leben ein der unseren ist.
Ein Leben, dem weder Leid noch Enttäuschung erspart geblieben sind.
Ein Leben, das aber gerade durch Begrenztheit, Not und Tod hindurch zum ewigen Leben gelangt ist.
Ich wünsche Ihnen allen im Namen des Seelsorgeteams frohe und gesegnete Festtage. Lasst uns miteinander in den Gottesdiensten voll Dankbarkeit das Fest unserer Hoffnung und Zukunft
feiern.
Mit herzlichen und frohen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
09. August 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen,
In den kommenden Urlaubswochen möchte ich Ihnen jeweils eine Geschichte „erzählen“, auf die einige Impulse zum Nachdenken folgen.
„Der Traum vom Samen „
Ein junger Mann hatte einen Traum. Er betrat einen Laden. Hinter der Ladentheke sah er einen Engel stehen. Hastig fragte er den Engel: „Was verkaufen Sie, mein Herr?“ Der Engel gab
freundlich zur Antwort: „Alles, was Sie wollen.“ Da fing der junge Mann sofort an zu bestellen. „Dann hätte ich gern: eine demokratische Regierung in Chile, das Ende der Kriege in der Welt, bessere Bedingungen für
die Randgruppen der Gesellschaft, Beseitigung der Elendsviertel in Lateinamerika, und …“ Da fiel ihm der Engel ins Wort und sagte: „Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich verkehrt verstanden. Wir verkaufen
hier keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen.“
Zum Nachdenken:
Der Engel steht für Gott. Weill Gott allmächtig ist, weil er also alles kann, darum meint der „Herr“, er könnte auch alles von ihm erbitten. Gott aber ist nicht bereit, dem Menschen alle
Wünsche zu erfüllen und alles fertig in seine Hand zu geben.
Früher haben die Menschen in ihren Nöten von Gott Hilfe erbeten; er sollte „die Früchte verkaufen“ und somit die Not beseitigen.
Die säkularisierte Welt vertraut mehr auf sich selbst. Mit einem gesunden Selbstbewusstsein versucht sie, zunächst einmal selbst mit dem Problem fertig zu werden: mit Krankheit, Hunger,
Not, Unfrieden, Erziehungsschwierigkeiten. Sie möchte nicht sogleich Gott vor ihren Karren spannen und ihm die Schuld zuschieben, wenn der „Retter“ versagt.
Diese Geschichte will uns lehren, dass Gott durchaus in die Welt hineinwirkt; aber er wollte nicht alle Probleme lösen. Trotz der Menschwerdung Gottes sind Not, Kriege, Hass, Terror, Hunger
und Angst geblieben.
Mit Jesus ist der Same in die Welt gekommen, nicht die Frucht.
Der göttliche Same wächst aus innerer Lebenskraft und unaufhaltsam!
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine gute Woche. Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
26. Juli 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen,
In den kommenden Urlaubswochen möchte ich Ihnen jeweils eine Geschichte „erzählen“, auf die einige Impulse zum Nachdenken folgen.
„Zwei Eisblöcke“
Es waren einmal zwei Eisblöcke. Das Verhältnis zwischen ihnen war sehr kühl, was nicht verwunderlich ist. Der eine dachte: Warum kommt der andere nicht näher zu mir? Aber der Eisblock
konnte nicht gehen und kommen. Da dachte der eine: Wenn der andere auftaut, dann taue ich auch auf. – Aber weil der Eisblock nicht von selbst auftaute, taute keiner von beiden auf.
So geschah es, dass niemand auf sie zukam, und jeder noch mehr in sich selbst vereiste. Nach Monaten – oder war es nach Jahren? – entdeckte der eine Eisblock eines Mittags, als die Sonne
strahlte, dass er schmelzen konnte, und er sah, dass er sich zu Wasser verflüssigte, und dass er doch noch er selbst war. Auch der andere machte diese wunderbare Entdeckung. Über die ganz alltäglichen Wassergräben
flossen sie aufeinander zu. Sie begegneten sich. Zwar spürten sie ihre Kälte noch, aber auch ihre Schwachheit und ihren guten Willen, ihre eigene Not und die von anderen. Sie fanden, dass sie einander nötig hatten
und zusammenbleiben müssten.
Da kam ein Kind, und dann noch eins, und noch andere Kinder. Und die ließen kleine Schiffe auf dem großen, starken Wasser fahren. Sie hörten, dass die Kinder glücklich waren. Und diese
Freude spiegelte sich wie eine Sonne im Wasser.
Zum Nachdenken:
Der eine Eisblock wartet auf den anderen. Wenn der auftaut, taue ich auch auf; wenn der nicht will, dann will ich auch nicht. So werden Menschen nie zueinander finden, wenn der andere
immer den ersten Schritt tun soll. Wie sollen die Mauern eingerissen werden, die ich um mich gebaut habe, die Selbstherrlichkeit, der Stolz, der Eigensinn, die Ichbezogenheit? Je mehr ich mich in mich selbst
zurückziehe, desto schwerer mache ich den anderen den Zugang zu mir. Die notwendige Kommunikation ist nicht möglich.
Vielleicht ist einer so in sich verschlossen, dass er selbst aus sich nicht heraus kann. „Keiner kann aus seiner Haut“, sagen die Leute. Es ist so, als ob er den Schlüssel verloren hätte,
um von innen das Tor aufzuschließen. Sie leiden unter ihrer Abgeschlossenheit, aber sie zeigen es nicht. Sie tun so, als ob sie sich wohl fühlten.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine frohe Woche. Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
19. Juli 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen,
An Kontoauszügen können wir ersehen, wie wirksam ein Zeichen vor einer Zahl sein kann. – Ein Pluszeichen oder ein Minuszeichen können eine Zahl ins Gegenteil verkehren: Haben oder Soll.
Es ist ein ebenso großer Unterschied, ob vor einem Tag steht: „Du musst leben“ oder „Du darfst leben!“
Du darfst leben: Diese Gewissheit erhalten wir durch Jesu Leben, Tod und Auferstehung.
Du darfst leben: Dieses positive Vorzeichen wurde bei der Taufe vor unser Leben gesetzt. –
Getauft sein heißt: angenommen, geliebt sein: „Du bis mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter, an dir habe ich Gefallen gefunden.“
(Lk 3, 22).
Getauft sein heißt: Eingetaucht sein in Gott, eingetaucht sein in Jesus Christus. Das Wort „Taufe“ kommt von „tauchen“!
Wasser ist Leben. Gott ist mein eigentliches Leben. Er ist mir so nah wie das Wasser, das mich berührt.
Was durch die Hände Gottes geht, bleibt nicht, wie es vorher war. So hat sich auch mein Leben unter der Hand Gottes gewandelt. Ich lebe nicht einfach das Leben, das meine Eltern mir
gegeben haben. Ich lebe vor allem das Leben, das Gott mir gegeben hat.
Die Taufe ist so etwas wie eine zweite Geburt, eine „Wiedergeburt“, wie Jesus sagt.
Die Taufe steht als bedeutungsreiches, wirksames Zeichen am Anfang meines Lebens. So steht sie vor jedem Tag, den ich erlebe:
Zeichen eines neuen Lebens
Zeichen eines Lebens im Dank
Zeichen eines Lebens im Vertrauen – in der Liebe – in der Vergebung.
Bei vielen Gelegenheiten werden wir durch das „Weihwasser“ an dieses neue, göttliche Leben erinnert. Es soll unser ganzes Leben und unseren Tod durchdringen.
Der Apostel Paulus sagt: „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden“ (2 Kor 5, 17)
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine gesegnete Woche und das frohe Bewusstsein, durch die Taufe von Gott angenommen und geliebt und zu sein.
Mit freundlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
12. Juli 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen,
Die Vollversammlung des Zweiten Vatikanischen Konzils begann jeden Morgen mit einem eindrucksvollen Eröffnungsritus:
In feierlicher Prozession wurde ein kostbares Evangelienbuch in die Konzilsaula des Petersdomes getragen und an erhöhter Stelle „inthronisiert“. – Die Konzilsväter legten die Mitra ab
und erhoben sich von ihren Plätzen, um dem Wort Gottes die gebührende Ehrfurcht zu bezeugen.
In einem Gebet des Messbuches heißt es:
„Gott, unser Vater. Wir sind als deine Gemeinde versammelt: Öffne unser Ohr, damit wir hören und verstehen, was du uns heute sagen willst.“
Wer nicht oder schlecht hören kann, ist im menschlichen Zusammenleben sehr benachteiligt. Das Verstehen fällt ihm schwer. Oft weiß er nicht, um was es geht. Es kommt zu Verwechselungen
und Missverständnissen, vielleicht auch zu Ärger. Der Hörgeschädigte spürt, dass er „außerhalb“ steht, weil er nicht in der Lage ist, den Sinnzusammenhang zu begreifen. So verliert er leicht den Kontakt mit der
Lebenswirklichkeit und fühlt sich isoliert und fremd.
Etwas Ähnliches spielt auch eine Rolle in unserem Verhältnis zu Gott. Unser Glaube wird „taub“, wenn wir Gottes Wort nicht hören!
Deshalb die Bitte des Gebetes: Gott möge unser Ohr öffnen, damit wir sein Wort in unserem Lebensalltag wahrnehmen.
Im Gebet heißt es: „…, damit wir verstehen, was du uns „heute“ sagen willst.“ Das „Heute“ ist der entscheidende Augenblick, in dem Gottes Will sich kundtut,
der aber zugleich unsere Entscheidung fordert.
Gott will uns „heute“ etwas sagen:
- durch die Menschen, denen wir begegnen,
- durch die Erfahrungen, die wir machen,
- durch die Widerwärtigkeiten und Herausforderungen des Lebens.
Wir öffnen uns für Gottes Anspruch und Anruf im hörenden Gebet.
Im Text des eingangs zitierten Gebetes heißt es weiter:
„Gib uns ein gläubiges Herz, damit unser Beten dir gefällt und unser Leben vor dir bestehen kann.“
Beten und Leben dürfen nicht auseinander fallen. – Sie gehören zusammen. Andernfalls wird das Beten lebensfremd und phrasenhaft leer. Wir vergessen sonst, dass Gott mit unserem Leben
etwas zu tun hat.
Unser Gebet darf konkret und menschlich sein. Wir dürfen mitten im Alltag auf Gottes Wort und Weisung hören und antworten. Ja, beten heißt: unser Leben vor Gott ausbreiten.
Die große bedeutende spanische Karmelitin und Mystikerin Teresa von Avila sagt: „Beten heißt: Mit Gott sprechen wie mit einem guten Freund!“
– Er hat uns versprochen, in seinem Wort für uns da zu sein.
In dieser Woche haben die großen Schulferien begonnen. Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrerinnen und Lehrern frohe und erholsame Wochen. Aber auch allen anderen,
die Urlaub machen, wünsche ich im Namen des Seelsorgeteams eine erholsame und erlebnisreiche Zeit. Auch Zeit für Gottes Wort und für das Gebet!
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
05. Juli 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen,
Im Johannes-Evangelium hören wir die Worte Jesu: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“
Diese Worte Jesu sind heute aktueller denn je. Viele Menschen – darunter auch viele Christen! – scheinen den Glauben an „Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde“, aus dem Blick
verloren zu haben. Für sie ist diese Welt nur eine reine „Sach-Welt!“
Ich kann einen Löwenzahn betrachten als Viehfutter,
als Anschauungsmittel für den Biologieunterricht oder
als Motiv für eine Blumenfotografie („Pusteblume“!)
Einmal frage ich:
was er nützt, das andere Mal,
wie er aufgebaut und strukturiert ist, das dritte Mal:
wie schön er ist.
Ich kann jedes Ding auf vielerlei Weise wahrnehmen.
Wo wissenschaftlich nach der Entstehung der Welt gefragt ist, müssen auch wissenschaftliche Antworten gegeben werden.
„Gott, der Schöpfer“ – da wird die Welt durch ein ganz anderes „Fenster“ gesehen und betrachtet als durch die Wissenschaft.
Da bin ich gefragt, ob ich die Welt, in der ich lebe als ein „Zufallsprodukt“ ansehe, entstanden aus dem freien Spiel der Kräfte.
Oder ob ich daran glaube, dass eine einzige Macht hinter und über all den vielen Kräften und Mächten der Welt am Werk ist.
Ich bin auch gefragt, ob wir Menschen aus der Welt, in der wir leben, machen können, was wir wollen.
Der christliche Glaube hält uns dazu an, so mit dieser Welt umzugehen, wie der Schöpfer-Gott es will, dass wir sie nützen, aber vor allem auch schützen.
Das eine beherrschen wir sehr gut, das andere betreiben wir eher stümperhaft.
Der Psalm 104 – ein so genannter „Schöpfungspsalm“ – kann uns zu einem richtigen und verantwortlichen Umgang mit der Welt führen:
Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Sie alle warten auf dich,
dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.
Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein,
öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.
Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört,.
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie
und kehren zurück zum Staub der Erde.
sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen,
und du erneuerst das Antlitz, der Erde.
Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn,
der Herr freue sich seiner Werke.
Im Namen des Seelsorgeteams, das durch Herrn Diakon Wolfgang Schu erweitert und bereichert ist, wünsche ich Ihnen eine Woche, in der Sie sich an Gottes Schöpfung erfreuen mögen. Mit den
besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
28. Juni 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen! Von dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber stammen die folgenden schockierenden Wort:
- „Gott ist das beladenste aller Menschenworte. Keines ist so besudelt, so zerfetzt worden. Die Geschlechter der Menschen haben die Last ihres geängstigten Lebens auf dieses Wort abgewälzt
und es zu Boden gedrückt: Es liegt im Staub und wird mit Füßen getreten.
Sie zeichnen Fratzen und schreiben Gott darunter. Sie morden einander und sagen: In Gottes Namen!“
Jesus wurde im Namen Gottes gekreuzigt. Im Namen Gottes wurden Kreuzzüge und Kriege geführt.
„In Gottes Namen“, sagt einer, und dann tut er, was zu seinem eigenen Vorteil gelangt. Der Missbrauch des Namens Gottes reicht von großen, angeblich gottgewollten Aktionen bis zur
alltäglichen Gedankenlosigkeit.
Auch der scheinbar „fromme“ Gebrauch des Namens Gottes kann Missbrauch sein: Wo Eltern ihr Kind dazu bringen wollen zu tun, was sie möchten und dann sagen: „Gott sieht dich überall.“ –
Oder wie ich es noch aus Kindertagen weiß: „Eine Auge ist, was alles sieht – auch was bei finstrer Nacht geschieht.“ Hier wird Gott als der „verlängerte pädagogische Arm“ missbraucht.
Sogar im Gebet kann ich Gottes Namen missbrauchen: wenn ich für einen Menschen bete und mich gleichzeitig davor drücke, etwas für ihn zu tun.
Ich möchte den Namen Gottes lieber zu wenig als gedankenlos oft gebrauchen. Ich könnte keinem kranken Menschen oder einem der ein schweres Lebensschicksal erlitten hat, sagen: „Gott hat
es so gewollt“ oder „Dazu musst du in Gottes Namen ja sagen“, nur weil mir nichts Passendes einfällt.
Wenn ich Gott als Lückenbüßer einsetze, weil ich nicht weiter weiß oder Gott als „Alibi“ vorschütze, dann wird Gottes Name missbraucht.
„Gott sei Dank!“ – das kann ich gedankenlos und oberflächlich aussprechen. Ich kann es aber auch so sprechen, dass es wirklich ein „Kurzgebet“ ist. Am Wort und Wortlaut liegt es nicht,
sondern daran, ob nur die Zunge daherplappert oder das Herz mitspricht!
Es lieg daran, ob ich wirklich Gott anreden will, wenn ich „Gott“ sage.
Es stünde uns Christen gut an, wenn wir mit Ehrfurcht und Achtung den Namen Gottes aussprechen würden. Kennen wir noch das zweite der „Zehn Gebote“? „Du sollst den Namen des Herrn,
deines Gottes, nicht missbrauchen!“
Ich wünsche Ihnen allen im Namen des Seelsorgeteams eine frohe und gesegnete Woche und bleibe mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
21. Juni 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
„Wenn du erst einmal gute Noten nach Hause bringst, dann können wir über deine Ferienpläne sprechen.“ So das Gespräch zwischen Eltern und Sohn.
Erst Leistung – dann Lohn! Nach diesem Grundsatz wird hier entschieden. In der Schule, im Beruf – überall wird Leistung gefordert.
Leistung ist nach allgemeiner Auffassung Bedingung für Lohn bzw. Belohnung. Nach Leistung wird benotet und beurteilt.
Aber Grundbedingung meines Menschseins ist, dass ich angenommen werde, ohne nach Leistung gefragt zu werden. – Wenn Eltern ein Kind nur dann annehmen und akzeptieren würden, wenn es etwas
geleistet hat, dann könnte kein Kind sich auf Dauer gesund entwickeln und leben.
Aber wie bald erfährt ein Kind, dass es „lieb sein muss“, wenn die Mutter auch zu ihm lieb sein soll. -
In der Schule lernt es schnell, dass ein Lehrer, eine Lehrerin die Kinder am liebsten hat, die mitarbeiten, gute Leistungen bringen und unproblematisch sind. So erfährt ein Kind schon sehr
früh: „Du musst etwas leisten, damit du anerkannt wirst.“
Wenn dann später junge Menschen mit Schulverdrossenheit und Leistungsverweigerung sich dagegen wehren, dass der Wert eines Menschen nach seiner Leistung bemessen wird, dann verbirgt sich
hinter diesem Protest das urmenschliche Verlangen, angenommen, geliebt zu werden – unabhängig von Leistungen.
Mensch sein im wahrsten Sinne des Wortes kann ich nur dort, wo ich nicht gemessen werde nach Leistung und Erfolg, sondern wo ich auch dann dazugehöre, wenn ich versagt habe.
In der Schule fragt der Lehrer die Schüler: „Wo sind wir zu Hause?“ Darauf antwortet ein Schüler: „Ich bin da zu Hause, wo ich nicht rausfliege, wenn ich was ausgefressen habe!“
Zum Mensch sein gehört es, dass ich ohne „Wenn“ und ohne „Aber“ geliebt werde.
Genau das sagt die Frohbotschaft Jesu: Gott ist für dich da! Er nimmt dich ohne Vorleistung an. – Noch ehe ich das Geringste habe leisten können, steht auf der ersten Seite meiner
Biographie: „Du bist geliebt. Du bist angenommen, ohne dich ständig vor dir selbst, vor anderen und vor Gott als gut und tüchtig beweisen zu müssen.“
Mit einer solchen Botschaft kann ich leben. Sie macht mir Mut und gibt mir Selbstvertrauen.
Ich wünsche Ihnen allen im Namen des Seelsorgeteams eine gute Woche und bleibe mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
14. Juni 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Das Dreifaltigkeitsfest, das wir am vergangenen Sonntag gefeiert haben, wurde von der Kath. Jugend seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts als „Gott-Bekenntnis-Tag“ gefeiert.
Nach dem Verbot durch die Nationalsozialisten, lebte dieser „Bekenntnistag“ nach dem 2. Weltkrieg neu auf, bis er in den 60er Jahren verebbte und versandete. Seither ist er leider auch im
öffentlichen Bewusstsein mehr und mehr verschwunden.
Es gibt keinen Menschen, der nichts glaubt: Einer glaubt an Gott, ein anderer an eine Idee oder Ideologie, manche auch an eine totale Sinnlosigkeit und Absurdität des Lebens.
Auch das ist Glaube: Horoskop, Maskottchen, Talisman. Was ist das anders als eine moderne Form von Götterglauben. – Es gehört offenbar zum Wesen des Menschen, dass er gleichsam einen
„Altar“ braucht, auf dem er opfert!
Oder er kniet vor anderen Altären und opfert anderen Göttern. Sie können viele Namen haben: Erfolg, Karriere, Hobby, Auto, Haus.
Auf den modernen Altären, vor denen Menschen voll Verehrung und Anbetung knien, stehen: Jugendlichkeit, Schönheit, Sportlichkeit, Männlichkeit, Sex oder High life.
Der Glaube an die Wissenschaft ist die eigentliche Religion unserer Zeit. Sie kennen die Aussprüche:
- „Wissenschaftlich erwiesen“
- „Wissenschaftlich geprüft.“
Das erhebt den Anspruch:
- Darauf kannst du vertrauen!
- Darauf ist Verlass!
Wissenschaft ist zweifellos gut und nützlich. Aber sie kann meinem Leben keinen Halt und Sinn geben. Als „Ersatzgott“ taugt sie nicht!
Wo der Glaube an Gott durch die Tür auszieht, kommt der Aberglaube durch die Fenster herein. Das ist eine altbekannte Tatsache.
Und wie kommen die Ersatzgötter von den Altären herunter? Dadurch, dass ich Gott für die Dinge danke, die mir wertvoll und wichtig sind.
Wer Gott für all das dankt, was ihm wichtig und wert ist, holt es gleichsam vom „Altar“ herunter und legt es als Geschenk und Gabe vor dem „Altar“ nieder.
Damit werden die Dinge „ent-göttert“ und „ent-götzt“!
Mit dem Dank, den wir vor Gott bringen, tun wir ihm nicht einen Gefallen. Gott ist nicht auf unseren Dank angewiesen. Aber wir! Denn zum wahren Mensch sein gehört es, dass ich mich dem
zuwende, der mich als sein Ebenbild geschaffen hat.
Darum ist das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben, “ ein wichtiger Schutz meines Lebens und meines Mensch seins.
Liebe Pfarrangehörigen, besinnen und konzentrieren wir uns wieder auf diesen Gottesglauben, damit unser Leben gelingt und gut wird.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen alles Gute und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
31: Mai 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Die Feste der Kirche haben ihre Mitte im Osterfest.
Karfreitag wäre ohne Ostern, dem Fest der Auferstehung Jesu, bedeutungslos.
Die Geburt Jesu wird nur gefeiert, weil Jesus Christus auferstanden ist.
Das Fest Christi Himmelfahrt ist im Osterfest begründet und gibt ihm einen besonderen Akzent und Schwerpunkt.
Schließlich ist Pfingsten der Tag, an dem aus der „Karfreitags-Trauer-Gemeinde“ eine „Osterfreude-Gemeinde“ wird.
Die Apostelgeschichte (2, 1 – 36) erzählt das Pfingstwunder und berichtet von der Pfingstpredigt des Petrus, die auf Kreuz und Auferstehung Jesu hinweist:
„Ihn habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und getötet. Gott hat ihn auferweckt.“
Dass Menschen frei und ohne Furcht von diesem Auferstandenen reden und sich zu ihm bekennen – das ist Pfingsten! –
„Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch … Empfanget den Heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen …“
Die Begabung mit dem Heiligen Geist gibt es bei Johannes bereits an Ostern. Damit wird der enge Zusammenhang von Ostern und Pfingsten deutlich.
Wenn der auferstandene Herr in unsere Mitte tritt, dann bringt er seinen Frieden. Er beauftragt uns als seine Boten und trägt uns auf:
seinen Frieden in die Gemeinde und
in die Herzen und Häuser zu bringen, indem wir Schuld vergeben.
Aus Furchtsamen und Verängstigten werden Mutige.
Aus Stummen – Menschen, die den Mund auftun und reden und verkündigen.
Aus Zweiflern – Menschen, die gläubig bekennen.
Das ist das Wunder des österlichen Pfingsten!
Und wer den österlichen Geist hat, vergibt, bezeugt und bekennt.
Pfingsten gilt als das Fest der Kirche. Es erinnert uns daran, dass wir unseren Glauben nicht selbst schaffen, sondern nur empfangen können.
Pfingsten macht deutlich: Um Gottes Geist, um den Glauben an die Gegenwart des Auferstandenen müssen wir aus tiefstem Herzen bitten:
„Komm, Heiliger Geist!
Erfülle die Herzen deiner Gläubigen
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
Sende aus deinen Geist,
und alles wird neu geschaffen,
und du wirst das Angesicht der Erde erneuern!“
Liebe Pfarrangehörigen, ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams ein frohes und gesegnetes Pfingstfest und die Gabenfülle des Heiligen Geistes. Feiern wir miteinander Gottesdienst an
diesem Hochfest der Christenheit.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus.
Ihr
Pastor Leo Hofmann
24: Mai 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Mit dem Pfingstfest endet die österliche Zeit von 50 Tage seit dem Osterfest.
Christus ist erstanden und mit ihm alle, die zu ihm gehören und sich zu ihm bekennen. – Wie können Christen deutlicher zum Ausdruck bringen, dass ihr Leben unter dieser österlichen
Verheißung steht.
Das erste Pfingstfest in Jerusalem endete mit der Taufe vieler Menschen. Sie folgten dem Ruf des Petrus und wurden so zu ersten christlichen Gemeinde:
„Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden. Dann werdet ihr die Gabe des heiligen Geistes empfangen. An diesem Tag wurden
ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.“ (Apg 2, 38 – 41).
Über den Zusammenhang von Auferstehung und Taufe schreibt der Apostel Paulus: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft
worden sind. Wenn wir ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“ (Röm 6, 3 – 5).
Zum Christ sein gehört also seit Pfingsten die Taufe auf den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus.
Weil es bei der Taufe wesentlich um Auferstehung und Leben geht, deshalb ist seit alters das Osterfest der Tauftag der Kirche. Und jede Taufe ist das persönliche Osterfest des jeweiligen
Täuflings.
Die Taufe ist der Zugang zur Gemeinschaft der Gläubigen, der Gemeinde und die offene Tür Gottes zu einem neuen Leben.
Ob wir Erwachsene oder Kinder taufen, Gottes „Ja“ geht unserem „Ja“ immer voraus.
In der Mission ist die Erwachsenentaufe vielfach das Normale. Aber auch hierzulande ist die Erwachsenentaufe stark im Kommen. Am vergangenen Osterfest wurden im Bistum Trier dreißig meist
junge Erwachsene getauft, darunter auch eine junge Frau aus unserer Pfarreiengemeinschaft.
Aber warum sollten nicht Christen, denen der Glaube an den auferstandenen Jesus Christus wichtig ist, nicht auch ihre Kinder an diesem Glauben teilhaben lassen und das durch die Taufe
kundtun? So haben es schon die frühen Christen gehalten!
Der Getaufte muss in jedem Fall – gleich welchen Alters – sein eigenes „Ja“ finden und in einem „neuen Leben wandeln“, wie es im Taufritus bei der Übergabe des „weißen Kleides“ heißt.
„Getaufte sind im wahrsten Sinne des Wortes Auferstehungsmenschen – schon vor dem Tod.
Liebe Pfarrangehörigen, ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgetrams eine gesegnete Woche. Beten wir miteinander und füreinander in der Pfingstnovene um die Gabenfülle des Heiligen
Geistes.
Mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
17: Mai 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Alle Christen bekennen die Auferstehung. Sie gehört zum Grundbestand und Fundament des Glaubens aller christlichen Konfessionen.
Vielen Christen ist es aber ein Problem, dass der auferstandene Christus der „unsichtbare Herr der Welt“ ist. Sie fragen dann: „Wo ist er zu sehen?“
Jede der verschiedenen Ostergeschichten des Neuen Testamentes will uns etwas Besonderes erzählen. Jede hat einen bestimmten Adressatenkreis im Auge und will Menschen in einer bestimmten
Situation helfen, das österliche Ereignis und Geschehen zu verstehen.
Eine Begebenheit in der Apostelgeschichte (Apg 1, 1 – 12!) will Christen von damals und heute helfen, mit der „Unsichtbarkeit Jesu“ fertig zu werden. Es ist die Geschichte von der
Himmelfahrt Christi. Dieses Ereignis ist zugleich auch eine Ostergeschichte.
Jesus gibt seinen Jüngern die Zusage: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen … und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien bis an das Ende
der Erde.“
Als Jesus vor ihren Augen emporgehoben wurde und ihren Blicken entschwunden war, starren sie ihm immer noch nach.
Zwei göttliche Boten sprechen sie an und sagen: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging, wird ebenso
wiederkommen, wir ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“
Die Apostelgeschichte berichtet weiter: „Dann kehrten sie vom Ölberg … nach Jerusalem zurück.“
Die Unsichtbarkeit Jesu ist für die Jünger kein Grund, zu resignieren und nicht zu tun. – Im Gegenteil:
Sie packen Aufgaben an,
wenden sich dem Nächsten in der Not zu,
helfen den Armen,
verkünden die Botschaft vom auferstandenen Herrn und
rufen seine Herrschaft über die ganze Welt aus.
Himmelfahrt bedeutet:
Jesus ist der unsichtbare Herr der Welt. – Seine Botschaft ist nicht mehr nur an Jerusalem, Judäa und an ganz Israel gerichtet, sondern gilt der ganzen Welt.
Christi Himmelfahrt bekräftigt:
Seit Ostern, seit der Auferstehung, bestehen neue Herrschaftsverhältnisse in der Welt. Wir bringen es mit einem Kirchenlied zum Ausdruck (GL 861):
„Christus, König aller Zeiten,
Christus, Herr auch unsrer Zeit!
Christus, König aller Völker, Christus, Herr in Ewigkeit!“
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen einen frohen Festtag und das Bewusstsein: Dieses Leben ist keine „Sackgasse“! Wir haben Heimat und Zukunft beim auferstandenen Herrn. Deshalb
feiern wir ein Fest. Ich lade Sie alle herzlich zu den Gottesdiensten an Christi Himmelfahrt ein.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus Ihr Pastor Leo Hofmann
10: Mai 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Mit dem kleinen Wort „für“ bauen wir eine Brücke zu anderen Menschen hin, wenn wir damit sagen wollen: „Ich möchte für dich – für euch da sein.“
Dieses Versprechen ist wie ein bergendes Dach und wie ein schützender Mantel. Liebende Eltern sind so „für“ ihre Kinder und liebende Partner sind so „für-einander“ da.
In jeder Gestalt des „für andere“ da zu sein verschenkt der Mensch ein Stück von sich selbst.
Die Zahl der Menschen „für“ die wir ganz und gar da sein können, ist begrenzt. Unsere Kraft zur Liebe kommt da oder dort an eine Grenze. Christus aber – so sagt es die Kirchen im „Großen
Glaubensbekenntnis“ – ist ohne dieses Eingrenzung für all da: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist
Mensch geworden. Er wurde „für uns“ gekreuzigt …“
Der Weg des Sohnes Gottes, Jesus Christus, verläuft innerhalb dieser Bandbreite des „Für-uns-da-Seins.“
Zweimal spricht das Große Glaubensbekenntnis ausdrücklich davon: Im Zusammenhang mit der Menschwerdung Jesu Christi und mit der Kreuzigung Christi.
Das „Für-uns-Sein“ des Herrn umgreift aber auch alle anderen Stationen seines Lebensweges – auch das Geheimnis seiner Auferstehung.
Die Fülle dessen, was Jesus Christus „für uns“ getan hat, bezeichnen wir mit dem Wort „Erlösung“.
Erlösung bedeutet im Vollsinn des Wortes: Wiederherstellung der Freundschaft mit Gott. Aus dieser Gottesfreundschaft erwächst auch die Kraft andere Menschen und sich selbst anzunehmen.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine frohe und friedvolle Woche in der österlichen Zeit und bleibe mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
03: Mai 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Wie ein Webmuster zieht sich das Thema „Freude“ durch die Bibel. Die Botschaft Jesu nennen wir „Evangelium“, das heißt „Frohe Botschaft“.
Die Osterfreude wurde in besonderem Maße Maria, der Mutter des auferstandenen Christus, zuteil.
Unter den Zeugen der Auferstehung wird sie in den Schriften des Neuen Testaments nicht ausdrücklich genannt. – Maria bleibt auch nach Ostern im Hintergrund, so wie sie zur Zeit des
öffentlichen Wirkens Jesu demütig im Hintergrund geblieben war.
Im Bericht über die betende Urgemeinde, die in Jerusalem auf die Herabkunft des Heiligen Geistes wartete, nennt die Apostelgeschichte mit den Nahmen der elf Apostel ausdrücklich Maria
(Apg 1, 12 – 14)
So war sie auch zugegen, als am Pfingsttag der Geist Gottes in Sturm und Feuer auf die Urgemeinde ausgegossen wurde (Apg 2, 1 – 13).
Im Nachsinnen und Nachdenken über Christus hat die Kirche in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte auch das Mysterium seiner Mutter immer tiefer bedacht.
An Maria wird sichtbar, was die Kirche nach Gottes Willen ist. Sie ist die auf Gott Hörende und Gehorchende.
Die zahlreichen Marienlieder, die sich auf das freudige österliche Ereignis beziehen, sind ein geistlicher Schatz, der sich im Laufe von Jahrhunderten angereichert hat.
Darunter findet sich das österliche „Regina coeli laetare“, das in seinem Text und seiner Melodie im „Gregorianischen Choral“ besonders kostbar ist. Die Antiphon (= liturgischer
Wechselgesang) ist bereits um 1200 n. Chr. in Rom bezeugt. Sie wurde immer stehend gebetet oder gesungen, weil die Auferstehung Christi stehend bezeugt werden sollte.
In einer freien Übersetzung dieser Antiphon, die mit einer schönen Begleitmelodie zu einem beliebten deutschen Osterlied geworden ist, lautet die erste Strophe so:
„Freu dich, du Himmelskönigin, freu dich Maria. Freu dich, das Leid ist all dahin. Halleluja. Bitt Gott für uns, Maria.“
Freude ist in ihrer reinsten Gestalt „Teilhabe“ an der Freude anderer. In diesem Osterlied freut sich die Kirche in dieser österlichen Zeit des Monats Mai mit Maria, die wir auch als die
„Maienkönigin“ verehren.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine frohe und friedvolle österliche Zeit im Monat Mai.
Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
26 April 2009
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
In einer Missionspredigt in Caesarea hat der Apostel Petrus die Osterbotschaft so zusammengefasst: „Gott hat Jesus am dritten Tag auferweckt und hat ihn
erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: Uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben.“ (Apg 10, 40 – 41)
Das Mahl ist eines der Ursymbole menschlichen Lebens. Zum bloßen Überleben genügt das schnelle, hastige und alleinige Verzehren von Speisen an einem „Imbissstand“ (Fast-Food!).
Zum Leben in einem sozio-kulturellen Rahmen gehört das gepflegte, gemeinsame festliche Mahl mit Menschen, mit denen wir uns innerlich mit Herz und Gemüt verbunden fühlen.
Mit dem „Letzten Abendmahl“ hat Jesus die lange Kette seiner Mahlfeiern mit den Jüngern vollendet. Er hat all diese Mahlfeiern überboten durch die Stiftung der Eucharistie. In den Gestalten der Grundnahrungsmittel von Brot und Wein hat er sich uns selbst „ein-gestiftet“ mit den Worten: „Das ist mein Leib für euch hingegeben. Das ist mein Blut für euch vergossen zur
Vergebung der Sünden.“
Das Brechen des Brotes war eine zeichenhafte Vorwegnahme des „Zerbrechens seines Leibes“ durch den Tod am Kreuz.
Das Darreichen des aus vielen Trauben gepressten Weines war zeichenhafte Vorwegnahme des Vergießens seines Blutes in seiner Passion.
Er trug den Jüngern auf: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22, 19).
Der auferstandene Christus erscheint nach den Evangelien des Lukas und des Johannes als einer, der wiederum mit den Jüngern Mahl hält: in Jerusalem und Emmaus.
Dieser auferstandene Christus ist kein „Phantom“, keine gespenstische Erscheinung, kein Trugbild, wenn er auch anders gegenwärtig ist, als vor seinem Tod.
Am See Gennesaret – wo er seine ersten Jünger berief – fragt er sie: „Habt ihr etwas zu essen hier?“
Dort am See Gennesaret bereitet er selbst den Jüngern nach einem reichen Fischfang das Mahl. „Kommt her und esst!“ sagt er ihnen. Diese Einladung Jesu begleitet die Kirche bis in unsere Tage.
Liebe Pfarrangehörige, an diesen beiden Sonntagen nach Ostern folgen 48 Jungen und Mädchen aus unserer Pfarreiengemeinschaft dieser Einladung Jesu: „Kommt her und esst!“ Sie
gehen zur ersten hl. Kommunion. Was für eine Chance für diese Kinder und Ihre Familien für eine bleibende Christusfreundschaft! Was für eine Bereicherung für unsere Gemeinden, dass so viele junge Menschen neu
zur Mahlgemeinschaft gehören!
Es wäre traurig und jammerschade, wenn diese Begegnung und Freundschaft mit Christus zu einem gesellschaftlichen „Event“ verkommen und verpuffen würde.
Im Namen des Seelsorgeteams gratuliere ich allen Erstkommunionkindern und ihren Eltern aus unserer Pfarreiengemeinschaft und bleibe mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
12. April 2009, Ostern
Liebe Pfarrangehörige von Alsweiler und Marpingen!
Im „Exultet“, dem feierlichen Osterlob, das am Anfang der Lichtfeier in der Auferstehungsfeier steht, heißt es: „Dies ist die selige Nacht, in der Christus
die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg. Wahrhaftig umsonst wären wir geboren, hätte uns nicht der Erlöser gerettet. O, unfassbare Liebe des Vater, um den Knecht zu erlösen, gabst du
den Sohn dahin!“
Was wir in dieser Osternacht feiern, ist so groß und bedeutsam, dass nur ein Lobgesang andeuten kann, um was es geht.
Ja, wir können nur mit Worten der Preisung auf das wunderbare und unfassbare Geheimnis dieser Nacht reagieren: „Das ist der Tag, den Gott gemacht, der Freud’ in alle Welt gebracht“, so singen und jubeln wir.
Im Lektionar zum Stundenbuch der Kirche steht eine eindrucksvolle Karsamstagpredigt aus dem 6. Jahrhundert. – Diese Predigt ist aufgebaut als Gespräch, das Christus, der neue Adam der
erlösten Menschheit – mit dem ersten Adam führt.
Christus fasst Adam an der Hand. Er zieht ihn empor und spricht: „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein!“
Der Mensch, dem dieses Wort des Erlösers gilt, dieser Adam – das sind wir, wir alle, jeder von uns!
Im Bild des Schlafens erscheint der Tod in dieser Karsamstagpredigt als ein Zustand, der vorübergeht.
Dem Schlaf folgt das Erwachen zu einem neuen Morgen. In der Auferstehung Christi ist dieser Morgen angebrochen.
Die Liturgie formuliert eine eindrucksvolle Antwort auf das Ereignis der Osternacht:
„Heute hat unser Erlöser die Pforten und Riegel des Todes alle zerbrochen. Vor seinem Anblick flüchtet der Tod, auf seinen Ruf erstehen die Toten. Die Pforten des Todes zerbarsten, da
sie ihn schauten.“
Mit Ostern, dem Fest der Auferstehung Christi, ist alles anders, ist alles neu! Wir gehen vom Tod zum Leben, aus dem Dunkel in das Licht! Das Dunkel des Todes wandelt sich – durch Gottes
Machterweis – zum Licht des Lebens, des Lebens in Fülle ohne Ende.
„Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit.“ Mit diesem bewegenden österlichen Lied wünscht das Seelsorgeteam allen Familien und Alleinstehenden von Haus zu Haus ein frohes und gesegnetes Osterfest.
Ihre
Brigitte Backes, Pfr.Sekr. Marpingen
Barbara Kollmann, Pfr.Sekr. Alsweiler
Gudrun Maurer, Gde.Referentin
Wolfgang Breininger, Pfr.
Leo Hofmann, Pastor
05. April 2009, Palmsonntag
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
Mit dem bevorstehenden Palmsonntag öffnet sich das Tor zur Karwoche (Kar bedeutet: Klage, Kummer, Sorge!), die auch „die große oder die heilige Woche“ genannt wird.
Im Zentrum unseres christlichen Glaubens steht der gekreuzigte Christus, der von den Toten auferstanden ist. Dieses Ereignis wirft seine Licht in die Zeit davor und in die Zeit danach.
Der Palmsonntag hat seinen Namen von der „Palmweihe“ und „Palmprozession“, die an diesem Tag vorgenommen werden. Palmen galten in Palästina als Zeichen der Königswürde und des Friedens.
In der christlichen Tradition ist die Palmweihe seit dem 7. Jahrhundert bekannt. Vor dem Hauptgottesdienst werden die Palmzweige gesegnet:
„Allmächtiger, ewiger Gott, segne diese Palmzweige, Zeichen des Lebens und des Sieges, mit dem wir Christus, unserem König huldigen.“
Wir Christen verbinden mit diesen geweihten Palmzweigen die Bitte um den Schutz und den Beistand Gottes. Deshalb stecken wir zu Hause kleine Palmzweige an die Kreuze zu Häupten des
gekreuzigten Christus.
Die Liturgie des Palmsonntags ist durch zwei Rituale gekennzeichnet:
Palmweihe und Palmprozession
Die dramatische Darstellung des Einzugs Jesu in Jerusalem ist schon seit Anfang des 4. Jahrhunderts in Jerusalem entstanden.
Am Nachmittag des Palmsonntags versammelten sich die Gläubigen auf dem Ölberg. Nach der Verkündigung des Evangeliums vom „Einzug Jesu in Jerusalem“ setzte sich eine Prozession von der
Höhe des Ölbergs in die hl. Stadt in Bewegung. Man trug Palmzweig in den Händen und vollzog den Triumphzug Jesu aufs Neue, wobei der Bischof an Stelle Christi auf einer Eselin in die Stadt einzog.
Dieser Brauch der Palmprozession wurde im 7./8. Jahrhundert vom christlichen Abendland übernommen.
Heute versammeln sich die Gemeinden an einem Ort außerhalb der Kirche (je nach örtlichen Gegebenheiten!) und ziehen nach der Palmweihe und Verkündigung des Evangeliums vom „Einzug Jesu in
Jerusalem“ in festlicher Prozession ins Gotteshaus.
Mit diesem feierlichen Ritual an Palmsonntag beginnt keine Passionsspielzeit, sondern das Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu.
Wir begleiten Jesus, unseren König, nicht nur beim triumphalen Einzug in seine Stadt, sondern auch auf dem Kreuzweg.
Zu den bevorstehenden Gedenktagen des Leidens und Sterbens Jesu lade ich Sie, liebe Pfarrangehörigen, alle herzlich zu den Gottesdiensten ein. Die Mitfeier der hl. Woche, die den Höhepunkt
des ganzen Kirchenjahres darstellt, ist Ausdruck unserer besonderen Verehrung und Liebe zu Christus.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine friedvolle und gesegnete Woche und bleibe mit den besten Grüßen von Haus zu Haus.
Ihr Pastor Leo Hofmann
29.März.2009, 5. Fastensonntag
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
Der bekannte Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich, der in Heidelberg und Frankfurt gelehrt hat, hat in den 60er Jahren ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: „Auf dem Weg zur
vaterlosen Gesellschaft“.
Im 2. Weltkrieg waren ja viele Väter gefallen.
Mit der „Kulturrevolution 1968“ und im Gefolge der „antiautoritären Erziehung“ wurde der Vater weithin „entbehrlich“.
Auch heute fehlt der Vater oft. Viele Väter entziehen sich ihrer Verantwortung oder haben den Kontakt und das Gespräch mit ihren Kindern abgebrochen.
Und doch liegt in jedem Menschen die verborgene Sehnsucht nach einem Vater.
Sein Bild verbindet sich mit: Autorität, Orientierung, Heimat, Geborgenheit und Schutz. Vom Vater erwarten wir Verständnis, Nachsicht und Barmherzigkeit.
Als der holländische Maler Rembrandt die „Heimkehr des verlorenen Sohnes“ malte, war er alt und fast erblindet. Auffällig an diesem Bild ist, dass Rembrandt den „barmherzigen Vater“, der
seinen heimgekehrten „verlorenen Sohn“ umarmt, mit zwei unterschiedlichen Händen malt.
Die linke Hand ist stark und kräftig, männlich. Die rechte Hand ist eine zärtlich berührende Hand. Die Hände ein und derselben Person erscheinen wie eine Männer- und eine Frauenhand.
Auch in Gott gibt es diese beiden Seiten der Liebe: Er ist unser Vater. Jesus hat uns gelehrt: Gott unseren Vater zu nennen. Wenn ihr betet, sollt ihr sprechen: „Vater unser im Himmel …“
Zugleich ist Gott wie eine Mutter zu uns. Er ist sogar mehr als jeder irdische Vater, als jede irdische Mutter.
In Psalm 27 heißt es: „Wenn mich auch Vater und Mutter verlassen, der Herr nimmt mich auf.“
Durch den Propheten Jesaia spricht Gott: „Kann den eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: Ich vergesse dich
nicht!“
Wiederum Jesaia: „Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch.“
Schließlich spricht Gott durch den Propheten Hosea:zum Volk Israel: „Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb. Mit menschlichen Fesseln zog ich sie an mich, mit Ketten der Liebe. Ich
war für sie wie Eltern, die den Säugling an ihre Wangen heben.“
Einen solchen Gott kann und darf ich mich „an-vertrauen“. Er will jedem von uns Vater und Mutter sein.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine frohe, friedvolle und gesegnete Woche.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus.
Ihr Pastor Leo Hofmann
22.März.2009, 4. Fastensonntag
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
„Gott existiert, ich bin ihm begegnet.“ So provozierend war der Titel eines Buches von André Fossard. Es war nicht nur vor Jahren in Frankreich, sondern auch im deutschen Sprachraum ein
Bestseller. – Mich hat dieses Buch als Religionslehrer in Dillingen lange beschäftigt.
„Gott existiert, ich bin ihm begegnet.“ Wer wagt es, ein solches Bekenntnis so auszusprechen? Und das von einem Mann, der bis zu diesem Moment mit: Gott,
Glaube, Religion und Kirche absolut nichts am Hut hatte.
Da hat so etwas stattgefunden wie: Ergriffenheit, Berührung mit dem Geheimnis Gottes, Begegnung!
Dass Gott existiert, lässt sich mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht experimentell beweisen.
Aber ich kann das Geheimnis Gottes erfahren, ich kann es glauben. Wilhelm Busch sagt:
„Weil ich glaube, bin ich sicher!“
Die Bibel kennt viele Bilder von Gott: Er ist wie ein König, ein Hirt, ein Bräutigam, ein Freund, ja sogar wie Vater und Mutter. Das sind heilende Gottesbilder.
Es gibt allerdings auch krank machende Gottesbilder. – Es gibt Menschen, die schleppen ein Leben lang solche krank machenden Gottesbilder mit sich herum:
Von einem Gott, der:
- wie ein Oberlehrer mit erhobenem Zeigefinger droht,
- wie ein Polizist mit wachsamen Augen mein Tun verfolgt,
- wie ein Richter oder Rächer meine Verfehlungen bestraft,
- wie ein Buchhalter alles und jedes notiert, dem nichts entgeht.
Ein solcher Gott macht Angst, macht krank.
Es gibt Menschen, die fragen sogar: „Will Gott überhaupt, dass ich froh und glücklich lebe? Oder missgönnt er mir mein Glück?
Im alttestamentlichen Buch der Weisheit (11, 26) wird Gott als „Freund des Lebens“ angesprochen. Auch meines Lebens! Er freut sich mit mir an meinem Leben. Er will nicht mein
Unglück und mein Verderben. Er will, dass mein Leben gelingt. Jesus fügt hinzu: „Ich will, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10, 10).
Liebe Pfarrangehörigen, diesem Gott des Lebens – auch meines und deines Lebens – dürfen wir uns „an-vertrauen“!
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine frohe und friedvolle Woche.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus.
Ihr Pastor Leo Hofmann
15.März.2009, 3. Fastensonntag
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
Die Gottesfrage ist die „Schicksalsfrage“ unserer geschichtlichen Stunde. Auch wenn es vielen noch nicht bewusst ist. Der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) hat mit einer
ungeheuren Leidenschaftlichkeit den „Tod Gottes“ proklamiert.
Er fügt dieses Ereignis vom „Gottesmord“ in die abendländische Geistesgeschichte und bekundet unsere Mitschuld an der „Tötung Gottes“. Er zeigt auf, welche schrecklichen Folgen dieser
Gottesmord hat.
Für die Verwegenheit dieser „Botschaft“ ist es bezeichnend, dass Nietzsche sie dem „tollen Menschen“ in den Mund legt:
„Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: „Ich suche Gott! Ich suche Gott!“?
Da dort viele von denen zusammenstanden, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein großes Gelächter. Ist er denn verloren gegangen? Ausgewandert? - so schrien und lachten sie
durcheinander. Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. „Wohin ist Gott?“ rief er, „Ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet - ihr und ich! Wir sind seine Mörder! Aber
wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie
sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein
unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittage angezündet werden? Hören wir noch nichts von
dem Lärm der Totengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch nichts von der göttlichen Verwesung? - auch Götter verwesen! Gott ist tot! Gott bleibt tot! und wir haben ihn getötet!“
Was Friedrich Nietzsche sich vom Herzen geschrieben hat, ist mehr als eine persönliche Auseinandersetzung. Es ist ein bestürzendes Kapitel aus der religiösen Geistesgeschichte des
modernen Menschen.
Erst am Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts ist Wirklichkeit geworden, was Nietzsche im 19. Jahrhundert aussprach.
„Ist Gott wirklich tot? Oder könnte die Parole: „Gott ist tot“ nicht auch so verstanden werden, dass Gott bzw. das Interesse an Gott oder für Gott in den Herzen vieler Menschen auch in
den Herzen vieler Christen! – gestorben ist?
Wer die Worte des „tollen Menschen“ – besonders den Anfang aufmerksam liest und hört, erkennt: „Der tolle Mensch ist derjenige, der Gott sucht, indem er nach Gott schreit.
Viele Aufzeichnungen Nietzsches bestätigen das, wenn er zum Beispiel schreibt:
„Da es keinen Gott mehr gibt, ist die Einsamkeit nicht mehr zu ertragen.“
Im innersten unausgesprochen, leiden viele heute an dieser Einsamkeit und Verlorenheit, weil sie den Glauben an Gott aufgegeben oder verloren haben. – Doch Gott lässt sich finden, wenn wir
ihn suchen!
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine gute Woche auf dem österlichen Weg und bleibe mit den besten Grüßen von Haus zu Haus.
Ihr Pastor Leo Hofmann
08.März.2009, 2. Fastensonntag
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
Von dem Philosophen Friedrich Nietzsche (1844 – 1900), dem unerbittlichen Kritiker des verbürgerlichten Christentums des 19. Jahrhunderts, stammt das bedenkenswerte Wort: „Es gab nur einen wahren Christen, und der ist am Kreuz gestorben!“
In diesem Ausspruch wird der Respekt Nietzsches vor Jesus Christus hörbar, der bereit war, für seine Botschaft und Lebensaufgabe in den Tod zu gehen.
Wir müssten aber völlig taub sein, wenn wir in diesem Satz nicht auch eine abgrundtiefe Enttäuschung Nietzsches über die Christen seiner Zeit heraushören würden.
Welches „Image“ hat das Christentum unserer Tage? Wie wird der heutige Christ von seinen Zeitkritikern beurteilt? – Man sagt und schreibt es bereits in aller Öffentlichkeit, dass der
christliche Glaube krank und altersschwach sei, dass ein spürbarer „Verdunstungs- bzw. Zerbröckelungsprozess“ mit Substanzverlust im religiösen Bereich festzustellen ist.
Man spricht bereits vom „Abendrot der christlichen Epoche“ und von der Zukunft eines nachchristlichen Zeitalters. Kurz, von einer Zukunft ohne Glauben an Gott!
Zwar wird allenthalben von einer religiösen Neubesinnung und von einem liturgischen und biblischen Frühling gesprochen. Man liest Titel über Zeitungsberichten und Fernsehsendungen: „Die
Religionen kommen zurück!“
Aber viele Christen unserer Tage haben das Empfingen, es würde ihrem christlichen Glauben langsam aber sicher das Fundament unter den Füßen weggezogen.
Ist die Gottesfrage für den heutigen Menschen bedeutungslos? –
Keine Frage: Die gegenwärtige Stunde ist eine Stunde der Abwesenheit, der Dunkelheit und der Finsternis Gottes. Jedenfalls empfinden es so viele Menschen.
In seinem 1953 erstmals erschienenen Buch „Gottesfinsternis“ schrieb der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber: „Die Gottesfinsternis ist in der Tat der
Charakter der gegenwärtigen Weltstunde, in der wir leben.“
Martin Buber hat, wie er selbst sagt, das Wort „Gottesfinsternis“ bewusst gewählt. – Wie bei der Sonnenfinsternis die Sonne tatsächlich da ist, aber durch das „Dazwischentreten“ des
Mondes verdeckt ist und nicht mehr gesehen werden kann, so verhält es sich auch mit Gott.
Trotz aller Parolen: „Gott ist tot“ oder „Gott gibt es nicht“ ist er dennoch da! Aber besondere Umstände, komplexe Ereignisse, Schicksalsschläge, missliche Lebenserfahrungen und vieles mehr
können „dazwischentreten“, so dass unsere Sicht, unser Blick auf Gott total verdeckt und verstellt ist.
Gerade der 40tägige österliche Weg will unsere Sicht reinigen und läutern, dass wir Gott wieder „unverstellt“ – im wahrsten Sinn des Wortes – in den Blick bekommen. Gebet, Lesen und
Betrachten der heiligen Schrift und Mitfeier des Gottesdienstes können uns dabei eine ganz wichtige Hilfe sein.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen gesegnete Tage und Gottes Beistand.
Mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus.
Ihr Pastor Leo Hofmann
01. März 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
Die Geschichte vom armen Lazarus und dem reichen Prasser ist bekannt. Lazarus liegt vor der Tür des Reichen: Krank! – Hunde kommen und lecken seine Geschwüre.
Mit den Brotkrumen des Prassers hätte Lazarus leben können. Aber niemand gab sie ihm.
Beide sterben. Lazarus findet seinen Platz an der Seite Abrahams, der Prasser gerät an den Ort der Qualen. Hier kommt ihm der Gedanke: Lazarus könnte meine Qual lindern. Abraham winkt ab. –
Auch die Bitte, doch wenigstens die Brüder zu warnen, wird nicht erfüllt:
„Sie haben Moses und die Propheten. Wenn sie auf diese nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufsteht.“ (Lk-Evang.)
Knapp, klar, knallhart!
Vielleicht meinen wir, es wäre doch einen Versuch wert gewesen. Denn Menschen, die aus dem Jenseits zurückkommen, müssten doch großen Eindruck machen. Sie könnten einen Sinneswandel
bewirken.
Könnten sie das wirklich? Warum brauchen wir erst außergewöhnliche Zeichen und Wunder? Warum sind wir heute so scharf auf Berichte, Reportagen und Interviews mit Sterbenden und klinisch Toten? Weil wir Außerirdisches interessant finden? Weil wir den Tod enträtseln, das Außer- und Überzeitliche festhalten wollen?
Das Evangelium sagt klipp und klar: Es gibt ein Leben nach dem Tod – und es gibt eine Vergeltung! Das ist so wahr wie das Amen in der Kirche!
Wie, wo, in welcher Weise das Leben nach dem Tod fortgeführt wird, darüber macht die hl. Schrift keine konkreten Aussagen. Auf die Bitte des Prassers, doch den Brüdern eine Chance zu geben,
umzukehren, antwortet Abraham. „Selbst Toten, die auferstehen, würden sie nicht glauben.“
Wir haben noch die Chance zur Umkehr! Diese Botschaft ist am Aschermittwoch, dem Beginn der 40tägigen österlichen Bußzeit, an uns ergangen.
Edith Stein sagte: „Mein Leben beginnt jeden Morgen neu und endet jeden Abend. Es ist nie zu spät. Aber man muss daran glauben und danach handeln.“
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen allen eine Zeit der Neubesinnung auf die Wege Gottes. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete österliche Bußzeit.
Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus.
Ihr Pastor Leo Hofmann
22. Februar 2009
Liebe Pfarrangehörige von Marpingen und Alsweiler!
Eine rheinische Zeitung berichtete über ein Baby, das am 11.11. um 11.11 Uhr geboren wurde. Über dieses „freudige Ereignis“ wurde überschwänglich berichtet.
Ein paar Tage später nahm eine Leserzuschrift dazu Stellung, geschrieben von einem jungen Ehepaar, dem am selben Tag ein Sohn geboren wurde, der aber nur anderhalb Stunden lebte. Das junge
Ehepaar schrieb diesem toten Kind einen Brief – ein erschütterndes Dokument menschlicher Trauer.
Hieraus ein paar Zeilen. (Die Namen der Briefschreiber blieben aus verständlichen Gründen unbenannt.)
„An unseren toten Sohn!
Du kennst sie nicht, unsere Welt. Was du erlebt hast, war hektische Betriebsamkeit in einem Kreißsaal, bestürzte Ärzte und Pflegerinnen, das Pfeifen des Beatmungsgerätes, und dann
setzte dein kleines Herz aus.
Du kennst uns nicht, aber vielleicht hast du doch etwas von uns gespürt und mitbekommen von unserer Liebe, Vorsorge und Freude, als du dich ankündigtest …
Wir denken an das erste Zeichen deines Lebens, an deine ersten Bewegungen. Wir waren heiter und gelassen. Deine Mutter und ich. Ich denke an die Augenblicke, in denen wir uns lieben
wollten und es deinetwillen unterließen. Ich denke an den Kuchen, den deine Mutter nicht gegessen, an den Wein, den sie nicht getrunken hat, den geliebten Volkstanz, den sie wegen dir aufgab. Lieber lag sie in der
Nacht wach, als dich durch Medikament zu gefährden … Mein Sohn, fünf Tage vor deiner Geburt und deinem Tod kam die erlösende Nachricht unserer Bekannten aus Schweden über die Geburt eines Jungen. Er hätte dein
Freund werden können …
Du hast unsere Welt am 11.11. betreten und verlassen, als Narren ihrer Freude Ausdruck gaben, und auch für uns sollte es ein Tag der Freude werden. Ob wir jemals an diesem Tag wieder
feiern können? …
Mein Sohn, wir werden keine Trauerkleidung tragen, obwohl wir maßlos traurig s ind. Wir werden nicht für dich zu beten brauchen, denn du bist bei Gott.
Bitte du für uns und erhalte in uns die Hoffnung auf deine kommenden Brüder oder Schwestern. Bitte auch darum, dass immer weniger Eltern unser Schicksal teilen müssen. Bleibe bei uns,
bis wir uns dereinst treffen werden. Deine Mutter und dein Vater.“
Liebe Pfarrangehörige, es bleibt ein Geheimnis Gottes, warum er Leid und Schmerzen zulässt. Wir können daran zerbrechen, wir können aber auch im Blick auf das Leiden und Sterbe Jesu daran
stark werden. Jedes zusätzliche Wort wäre hier unangebracht.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine frohe und gute Woche. Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
15. Februar 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen! Vor kurzem las ich folgende humorvolle Episode, die in die Fastnachtszeit passt:
Der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire (1694 – 1778) ging während eines Englandaufenthaltes im Londoner Hydepark spazieren. Da trag er auf eine Menschenmenge, vor der ein
Mann stand. – Mit heftigen Gesten und eindrucksvollen Gebärden redete er auf die Leute ein. -
Seine Mimik war gekonnt. Er stand auf einem Baumstumpf. Seine Rede ging um politische Dinge. Es hagelte nur so Schimpf und Schande auf die Franzosen.
Da schrie Voltaire sehr bissige Bemerkungen dazwischen. Die Londoner waren aufgebracht. Die Menge tobte, wollte den Franzosen lynchen.
Voltaire sprang auf eine Bank, wandte sich der Menge zu, hob beschwörend seinen Arm zum Himmel und rief, so laut er konnte: „Engländer, habt lieber Mitleid mit mir. Bin ich nicht
schon genug gestraft, dass ich kein Brite bin?“
Die Leute waren verdutzt und baff. Dann klatschten sie. Tosender Beifall. Voltaire durfte abziehen, ohne dass ihm ein Haar gekrümmt wurde.
Was lehr uns diese Geschichte? Geschicklichkeit und Humor, Witz und Schlagfertigkeit können oft mehr bewirken, als lange Reden oder ernste Predigten.
Humor ist durchaus eine christliche Tugend. Das bewiesen Franziskanerbrüder in einer westdeutschen Stadt. Sie erhielten einen Brief folgenden Inhalts:
„Aus Dankbarkeit und Freude darüber, dass mein schwer kranker Hund wieder gesund geworden ist, möchte ich den Brüdern des hl. Franziskus, der auch die Tiere in seine Güte einschloss,
eine kleine Spende übergeben.“
Die humorvollen Brüder antworteten dem Briefschreiber:
„Wir danken für Ihre freundliche Spende. Der Dankbarkeit gegen Gott ist ja keine Grenze gesetzt, wie der hl. Paulus im Epheserbrief feststellt: Danket allezeit Gott, dem Vater, für
alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude mit ihrem Hund!“
Ich denke, wenn wir Christen mehr Humor hätten – nicht nur in der Fastnachtszeit! – wenn wir humorvoller miteinander umgingen, dann wäre unser Leben menschlicher, froher und lebenswerter.
Dann wäre das kritische Wort von Friedrich Nietzsche und Gleichgesinnten überflüssig: „Frohere Lieder müssten die Christen singen, um an ihren Gott glauben zu können.“
Ich wünsche Ihnen im Namen des Seelsorgeteams eine frohe Woche. Versuchen Sie, vieles mit Humor auszugleichen, dann geht’s besser! Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
08. Februar 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
„Ich glaube …“ Mit diesen markanten und lapidaren Worten beginnen wir das Glaubensbekenntnis. – Was glaube ich als Christ?
Um mich herum leben viele Menschen anderen Glaubens. Auch ein Moslem sagt: „Ich glaube …“ Als Christen sehen wir uns aber auch Menschen gegenüber die – wie sie sagen – nichts glauben.
Wir
müssen uns als Christen auch mit denen auseinandersetzen, die nur gelten lassen wollen, was sie fühlen, messen, wägen und zählen können. Kurz: Was ihrer Meinung nach wissenschaftlich gesichert ist.
Was glaube ich als Christ? Es reicht mir nicht, dass mir gesagt wird, Gott sei nicht beweisbar im Sinne der Naturwissenschaften.
Das Bedürfnis, etwas Verlässliches über Gott zu erfahren, hatte schon die Urgemeinde der Jünger: „Herr, zeige uns den Vater. Das ist uns genug!“
Die Bitte der Jünger, die sie an Jesus richten, ist verständlich. „Du sprichst immer vom Vater“, sagt da einer. „Können wir diesen Vater nicht wenigstens ein einziges Mal sehen?“
Jesus weist das Bedürfnis, von Gott etwas zu sehen, nicht zurück. Seine Antwortet lautet: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“- Gott hat Menschen sehen lassen, wie er zu ihnen
steht, was er mit ihnen vor hat und was er von ihnen will. Er hat es an Jesus und durch Jesus „an-schaulich“ gemacht. - Menschen
haben mit ihren eigenen Augen gesehen, wie Jesus mit ihnen umging.
Sie haben mit eigenen Ohren gehört, was er gesagt hat.
Und sie haben verstehen können, was er wollte. Denn er war ein Mensch aus Fleisch und Blutt, der in ihrer Sprache gesprochen hat.
Augen- und Ohrenzeugen haben weitergegeben, was sie mit Jesus erlebt und erfahren haben.
Wie soll ich aber sehen, dass auf das, was Jesus gesagt und getan hat, Verlass ist? – Objektiv beweisbar sind mathematische Formeln und Naturgesetze, nicht aber persönliche Erfahrungen.
Dass auf einen Menschen Verlass ist, erfahre ich erst, wenn ich mich auf ihn einlasse und verlasse. Das zeigen uns schon die zwischenmenschlichen Beziehungen. Wer sich auf das verlässt,
was er an Jesus sieht, wird dasselbe erfahren: dass darauf Verlass ist!
Das ist das Besondere am christlichen Glauben: Wir glauben an den Gott, der nicht in schwer greifbarer Weise aus dem Jenseits gesprochen hat, sondern der in verständlicher Weise so viel von
sich sehen lässt.
Von Gott reden, heißt für den Christen: Von Jesus reden und ihn in dieser Welt bezeugen.
An Gott glauben heißt: An den Vater Jesu Christ glauben.
Ich wünsche Ihnen Freude aus dem Glauben in der kommenden Woche. Mit den besten Grüßen von Haus zu Haus Ihr Pastor Leo Hofmann
01. Februar 2009
Liebe Pfarrangehörige von Marpingen und Alsweiler!
Wir feiern am kommenden Montag das Fest „Maria Lichtmess“. In der Sprache der Liturgie wird es „Fest der Darstellung des Herrn“ genannt.
Wir feiern den denkwürdigen Tag, an dem Jesus im Tempel Gott dargestellt wird. Durch dieses Geschehen wurde nicht nur das jüdische Gesetz erfüllt, sondern Christus begegnete zum ersten Mal
seinem Volk, das ihn im Glauben erwartete.
Vom Heiligen Geist geführt kamen jene gottesfürchtigen Menschen: Simeon und Hanna zum Tempel.
Sie erkannten Jesus als ihren Herrn und Messias und verkündeten ihn voll Freude. Simeon preist Jesus als „das Licht zur Erleuchtung der Heiden“.
Auch wir tragen im Gottesdienst das Licht in unseren Händen. Es ist das Licht, das in der Taufe in unseren Herzen entzündet worden ist.
Bei der Tauffeier entzünden die Väter der Täuflinge die Taufkerze an der Osterkerze. Dabei spricht der Priester: „Empfanget das Licht Christi. Christus das Licht der Welt, hat ihre
Kinder erleuchtet Sie sollen als Kinder des Lichtes leben …“
Die Lichterprozession im Gottesdienst ist ein Bild unseres Lebens: Wir gehen Christus, dem Herrn, entgegen!
In der Ostkirche wird dieses Fest „Hypapante“, d. h. „Fest der Begegnung“ genannt. – Der Messias begegnet den Menschen, die ihn im Glauben erwartet haben.
Das geisterfüllte Wort vom „Licht, das die Heiden erleuchtet“, hat schon früh die Lichtprozession an diesem Festtag auf den Weg gebracht. – Aus Jerusalem berichtet um das Jahr 400 eine
Pilgerin namens Egeria, dass der 40. Tag nach Weihnachten feierlich begangen worden ist.
Bei der Auferstehungskirche – so berichtet die Pilgerin Egeria – habe eine Prozession stattgefunden. Bischof und Priester hätten in ihren Predigten jene biblischen Geschehnisse im Tempel
von Jerusalem erklärt, wovon das Tagesevangelium berichtet.
Christus – das Licht unseres Lebens! In seinem Licht dürfen auch wir den Weg unseres Lebens gehen. Wir sind eingeladen, ihm zu folgen und ihm entgegen zu gehen, wenn er kommt in Herrlichkeit.
Davon spricht die Liturgie in einem Gebet zur Segnung der Kerzen am Lichtmesstag: „Gott, du bist das wahre Licht, das die Welt mit seinem Glanz hell macht. – Erleuchte auch unsere
Herzen, damit alle, die heute mit brennenden Kerzen in deinem heiligen Haus vor dich hintreten, einst das ewige Licht deiner Herrlichkeit schauen.“
Liebe Pfarrangehörige, ich lade Sie alle ganz herzlich zu den Gottesdiensten an diesem Festtag ein, der früher im Brauchtum auf dem Land eine ganz große Rolle gespielt hat.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen eine gute und gesegnete Woche und bleibe mit den besten Grüßen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
25. Januar 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
In der frühen Kirche gab es mehrere Namen und Bezeichnungen für die Christen: Zum ersten Mal wurden die Anhänger Jesu in der syrischen Stadt Antiochien „Christen“ genannt, wie wir aus
der Apostelgeschichte wissen (Apg 11, 26).
In noch früherer Zeit werden die Christen „Anhänger des neuen Weges“ genannt (Apg 9, 2).
Paulus erbat sich die Vollmacht vom Hohenpriester, um die „Anhänger des neuen Weges“ zu verfolgen. Im Rückblick nach seiner Bekehrung sagt er, dass er „den neuen Weg bis auf den Tod verfolgt hat“
(Apg 22,4).
Noch eine dritte Bezeichnung kannte die frühe Kirche für die Christen: „Die den Namen des Herrn anrufen“.
Hananias, ein syrischer Christ aus Damaskus, weiß, dass Saulus die Vollmacht vom Hohenpriester hat, alle zu verhaften, „die den Namen des Herrn anrufen“.(Apg 9, 14).
Diese Textstelle aus der Apostelgeschichte könnte darauf hinweisen, dass Christen sowohl von Juden als auch Heiden als Menschen beschrieben werden, „die den Namen des Herrn anrufen“
.
Die Christen der frühen Kirche haben sich aber auch selbst so genannt. Paulus schreibt an die Christen von Korinth: „An die Geheiligten in Christus Jesus, berufen als Heilige mit
allen, die „den Namen Jesu Christi, unseres Herrn überall anrufen“ (1 Kor 1, 2).
„Den Namen des Herrn anrufen!“ Damit ist nicht so sehr das persönliche Glaubensbekenntnis des einzelnen Christen gemeint, sondern
das gemeinsame Bekenntnis in der gottesdienstlichen Feier. Das zeigt auch ein Brief des Statthalters Plinius an den röm. Kaiser Trajan aus dem Jahre 112 n. Chr. Er schreibt: „Christen verstehen sich als Anhänger einer Religion, die sich an einem festgesetzten Tag
(Sonntag!) noch vor Sonnenaufgang versammeln, um Christus als ihren Gott anzubeten.“
Christen sind Menschen, die den Namen des Herrn anrufen! Diese uralte Bezeichnung für Christen zeigt die Bedeutung der Feier der Liturgie für das Leben der Christen von den ersten Anfängen
an.
Wenn ich die schwindende Zahl unserer Gottesdienstbesucher betrachte, frage ich mich: Verstehen wir uns noch als Christen, die den Namen Gottes anrufen? – Wie weit identifizieren wir uns
noch mit unserem Glauben und mit der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden?
Das Fest der Taufe Jesu, das wir vor zwei Wochen am Ende der Weihnachtszeit gefeiert haben, hat uns die Mahnung des hl. Papstes Leo d. Großen in Erinnerung gerufen: „Christ, erkenne deine Würde!“
Dieses Selbstverständnis wünsche ich Ihnen für die kommende Woche.
Mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus
Ihr Pastor Leo Hofmann
18. Januar 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
Vom 18. bis 25. Jan. begeht die Kirche alljährlich die „Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen. Sie endet am 25. Jan. mit dem Fest „Bekehrung des hl. Apostels Paulus.“
Dieses Fest findet im Jubiläumsjahr des 2000. Geburtstages des Völkerapostels eine besondere Beachtung. Papst Benedikt wollte mit diesem Jubiläumsjahr, das vom 29. Juni 2008 bis zum 29.
Juni 2009 dauert, einen besonderen ökumenischen Akzent setzen:
Der Apostel der Heiden, der sich besonders dafür einsetzte, die Frohe Botschaft des Evangeliums allen Völkern zu bringen, hat sich vollkommen für die Einheit und Eintracht aller Christen
eingesetzt und verausgabt.
Rund 15 Jahre hat Paulus nach seiner Bekehrung bei Damaskus missioniert. – Schon sehr früh machte sich unter den Christen eine verhängnisvolle Spaltung breit: Ein judenchristlicher Teil,
der sich noch an der Beschneidung und dem jüdischen Gesetz mit seinen 613 Geboten und Verboten festhielt.
Der heidenchristliche Teil wusste dagegen mit der Beschneidung und den Reinheitsvorschriften der Juden nichts anzufangen.
Um das Jahr 49/50 n. Chr. fand in Jerusalem ein Apostelkonzil statt, an dem auch Paulus teilnahm.
Anlass waren judenchristliche Prediger, die in heidenchristlichen Gemeinden die Beschneidung propagierten. Paulus wies das entschieden zurück und verteidigte seine zentrale Erkenntnis, dass
die jüdischen Vorschriften durch das Evangelium Jesu Christi überwunden sind.
Das Apostelkonzil war erfolgreich. Petrus erkannte die Eigenständigkeit der paulinischen Linie an. Die Spaltung der Kirche war vermieden.
Bei einem weiteren Aufenthalt in Jerusalem im Jahre 57 wurde Paulus verhaftet. Die Römer machten ihm als Staatsfeind den Prozess.
Paulus hat als römischer Bürger als letzte Instanz das kaiserliche Gericht in Rom angerufen. Von 60 bis 62 war er in Rom gefangen – genauer: Er stand unter Hausarrest, konnte aber
Besuche empfangen. Viele fanden in dieser zeit durch Paulus den Glauben an Christus.
Etwa um das Jahr 67 wurde Paulus unter Kaiser Nero durch das Schwert enthauptet. Über seinem Grab wurde später die Basilika St. Paul vor den Mauern errichtet, die auch heute noch eine
große Anziehung für Rompilger hat.
Der Erfolg des apostolischen Wirkens des Völkerapostels Paulus liegt in seiner völligen Hingabe an Christus, einer Hingabe, die sich vor Risiken, Schwierigkeiten und Verfolgungen nicht
fürchtete.
Im Brief an die Römer schreibt er selbst: „Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine
Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn“ (Röm 8, 38 – 39).
Diese feste, beharrliche und beständige Christusbeziehung könnte unser labiles, unbeständiges und wankelmütiges Christ-sein stärken. Ich wünsche es uns allen!
Mit den besten Grüßen und Wünschen von Haus zu Haus
Ihr Pastor
Leo Hofmann
11. Januar 2009
Liebe Pfarrangehörigen von Alsweiler und Marpingen!
Mit dem Fest der Taufe Jesu endet liturgisch betrachtet die Weihnachtszeit. Aber Weihnachten ist nicht einfach vorbei: Weihnachten gibt unserer Hoffnung ein Gesicht: das Gesicht Jesu.
In Jesus hat Gott ein menschliches Gesicht angenommen. Er teilt unser Leben, um uns teilzugeben an seinem Leben. Deshalb kann der Apostel Paulus sagen: „Christus ist unter euch, er
ist die Hoffnung auf Herrlichkeit.“ (Kol 1, 27).
In Christus findet unser Leben und unsere Geschichte einen Sinn. Wir setzen unsere Hoffnung auf Jesus Christus.
Unsere Hoffnung hat ein Gesicht und unser Glaube ein Herz! – Unser Glaube ist nicht inhaltslos. Er ist nicht bloß ein verschwommenes, verworrenes religiöses Gefühl, das unverbindlich
bleibt.
Wie das Herz als Mittelpunkt des Menschen gesehen wird, so ist Jesus Christus der Mittelpunkt unseres Glaubens. Um unseres Heils willen ist er Mensch geworden aus Maria der Jungfrau.
Unser Glaube richtet sich auf eine lebendige Person, auf Jesus Christus. Unser Glaube hat Herz, den der Glaube ohne Liebe wäre tot: Wer bekennt, dass Jesus
der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er bleibt in Gott.“ (1 Joh 4, 15)
Weihnachten gibt unserer Hoffnung Gesicht, unserem Glauben Herz und unserer Liebe Hände.
Im Geheimnis der Menschwerdung wird Jesus Bruder aller Menschen. Das muss sich im alltäglichen Leben auswirken in tätiger Liebe. „Wenn jemand sagt: Ich
liebe Gott, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.“ (1 Joh 4, 20). – Der Johannesbrief fügt die Mahnung hinzu: „Wir wollen nicht mit Wort und Zunge
lieben, sondern in der Tat und Wahrheit.“ (1 Joh 3, 18).
Wer Weihnachten einfach abgehakt hat, der hat nicht begriffen, was wir gefeiert haben. – Noch einmal: Weihnachten gibt unserem Glauben Herz und unserer Liebe Hände.
Im Namen des Seelsorgeteams wünsche ich Ihnen allen eine gute Woche und bleibe mit den besten Grüßen und Wünschen
Ihr Pastor
Leo Hofmann
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